Kulturpreis des Bezirks Niederbayern 2016

 

Laudatio auf Hubert Huber

 

von Dr. Maximilian Seefelder, Ltd. Kulturdirektor, anlässlich der 1. Verleihung des Kulturpreises des Bezirks Niederbayern am 18.10.2016, 15.30 Uhr im Festsaal des Bezirksklinikums Mainkoten

 

Sehr geehrter Preisträger, lieber Hubert Huber,

liebe Familie Huber,

sehr geehrte Festgäste!

 

Gestatten Sie mir, ein paar Punkte zu beleuchten gleichsam wie Szenen auf einer Theaterbühne oder ein paar Skizzen zu zeichnen wie ein bildender Künstler. In meinem Falle allerdings keine mit Licht oder Pinsel und Farbe, sondern mit Worten. Diese sollen einerseits dem Anlass Rechnung tragen und andererseits selbstverständlich der Persönlichkeit im Mittelpunkt des heutigen Geschehens möglichst gerecht werden. 

 

I. Präludium

Es wird heute zum ersten Mal der Kulturpreis des Bezirks Niederbayern verliehen. Es geht also um Kultur. Einerseits. Andererseits bekommt diesen Preis Hubert Huber, der Vorsitzende des Berufsverbands bildender Künstler in Niederbayern für seine langjährigen Verdienste verliehen. Also geht es um Kunst, um genau zu sein: bildende Kunst.

 

Warum diese Differenzierung? 

Aus einem einfachen und mir wesentlich erscheinenden Grund: 

Man spricht so oft von Kultur, meint damit aber Kunst – bildende Kunst. Selbst in Fachkreisen greift dieser Automatismus. Die Begriffe Kunst und Kultur werden häufig synonym verwendet. 

 

Doch der neugeschaffene Kulturpreis beim Bezirk Niederbayern greift weiter. Wir sprechen von Kultur als Überbegriff und ordnen darunter eine ganze Reihe von Kulturphänomenen gleichwertig nebeneinander ein, als da wären:

 

Bildende Kunst (Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Videokunst, Konzeptkunst etc.)

Darstellende Kunst (also Theater: Schauspiel, Musiktheater, Kabarett etc).

Musik (Ernste Musik, Jazz, Popularmusik, Volksmusik etc.)

Literatur und Sprache (Lyrik, Prosa, aber auch Kulturgeschichtsschreibung oder Sprachpflege) Bräuche- und Traditionen (wobei wir hierbei Wert auf innovative Akzente legen) Auch Aspekte der Kulturlandschaftspflege sind denkbar. Ganz im Sinne der ursprünglichsten Bedeutung des Verbums „colere“ – pflegen, bebauen, bearbeiten. Und wer wollte behaupten, dass z. B. die Kultivierung alter Obst-, Reb- oder Pflanzensorten und daraus gewonnene Produkte keine Kulturleistungen wären?

 

Das Feld der Kultur ist nun einmal groß. Unser Kulturbegriff steht durchaus im Einklang mit der modernen Kulturwissenschaft und ist dementsprechend weitgefasst. Hier gibt es also viel Spielraum.

 

II. Die Vorschläge

Der Bezirk Niederbayern zeichnet mit seinem Kulturpreis Persönlichkeiten aus, die bereits Herausragendes geleistet haben und leisten. Es handelt sich also definitiv um keinen Nachwuchspreis. Vielmehr beabsichtigt der Bezirk Kulturschaffende auszuzeichnen, deren Wirken über einen längeren Zeitraum hinweg als regional übergreifend und nachhaltig zu bewerten ist. Dabei wollen wir nicht selbst bestimmen. Vielmehr bitten wir die Kommunen und ihre Kulturbeauftragten ihre Kulturschaffenden ins Spiel zu bringen.

Dass wir hierbei unsere Aufmerksamkeit selbstverständlich auf kurze, aber aussagekräftige Begründungen der Vorschläge legen, sollen die Einsender wissen. 

Niemand tut seiner Kandidatin / seinem Kandidaten einen Gefallen, wenn sich der Vorschlag auf eine bloße Namensnennung reduziert.

 

Und damit gelange ich schließlich zu unserem Preisträger.

 

Er wurde mehrfach vorgeschlagen, und es fehlte nicht an überzeugenden Vorschlagsbegründungen, welche seine Leistungen aufzeigen – Leistungen – und genau darauf kommt es an – die er über seinen Brotberuf als freischaffender Künstler hinaus für die Kunstszene und deren Mitglieder seit langem erbringt. Es wird also nicht der Künstler für sein Werk ausgezeichnet, sondern der Netzwerker, der sich für seinen Verband und deshalb für andere seiner Berufsgruppe engagiert.

 

Doch darüber später.

 

III. Der Typ

Aufgewachsen im Neuburger Wald, ehemals Handwerker, bodenständig. Stämmige Statur, markantes Gesicht, üppiger Bartwuchs. Eine geradezu archaisch anmutende bis barocke Erscheinung. Er könnte gut und gerne als Hauptdarsteller eines Historienfilms überzeugen. Zum Beispiel als Germanen-Fürst, der seine entschlossene Horde erfolgreich gegen römische Legionen führt. Eine solche Schlacht spielte sich bekanntermaßen im Teutoburger Wald ab; der Neuburger Wald diesseits der Donau, den er seit seiner Kindheit durchstreift, könnte eine ebenso gute Filmkulisse abgeben.

 

Doch dies ist Fiktion, und unser Preisträger, der Vorsitzende des Berufsverbands bildender Künstler in Niederbayern, Hubert Huber, führt weder Schwert noch Streitaxt. Er ist alles andere als kriegslüstern. Er ist ein friedvoller Mensch, ein Menschenfreund, aber ein engagierter Streiter, oder besser, ein nimmermüder Wortführer und erfolgreicher Werber in Sachen Kunst. Anstatt von Streiter oder gar Kämpfer spricht man heutzutage von Initiator und Netzwerker, nicht zuletzt weil sich auch unsere zivile Sprachkultur stetig wandelt und Kriegsvokabular bewusst hinter sich lässt.

 

IV. Werdegang

1956 in Gurlan bei Passau geboren.

Durch den Vater ist er im Sägewerk und im Holzhandel schon früh mit dem Werkstoff Holz in Berührung gekommen. 

Das bildnerische Talent erkannte man im Kunstunterricht. Dies mündete in den späten 1970er-Jahren wie selbstverständlich in eine Schreiner- und Holzbildhauerlehre.

Bereits 1981 wagte er den Sprung in die Freiberuflichkeit als Künstler. Gleichzeitig hängte er die klassische Bildhauerei an den Nagel. Ein mutiger Schritt. 

Mit einer jungen Familie war allerdings an ein Akademiestudium nicht mehr zu denken. Stattdessen folgten Fortbildungen, Stipendien sowie eine „autodidaktische Schule des Sehens“, wie unser Preisträger selbst sagt. 

Damals gewann er auch eine bittere Erkenntnis: Nur zwei Prozent der bildenden Künstler in Deutschland können von ihrer Arbeit leben. Dies war die Geburtsstunde des Kunstfunktionärs, des Kunstverbandspolitikers Hubert Huber. 

Er war Gründungsmitglied des 1986 gegründeten BBK, des Berufsverbands bildender Künstler in Niederbayern. Bereits nach einem Jahr wählte man ihn zum Ersten Vorsitzenden. Dieses Amt füllt er bis heute mit großem Engagement aus.

 

In den 1990er-Jahren war Hubert Huber ein halbes Jahrzehnt Vorsitzender des BBK der Bundesrepublik Deutschland. 

In Bayern existierten damals zwei, z. T. konkurrierende Landesverbände. Huber war maßgeblich daran beteiligt, dass sich die beiden Landesverbände zu einer bayerischen Interessensvertretung vereinigten.

 

V. Leistungen und Projekte

Worum geht es in Hubert Hubers Verbandsarbeit, die er seit 30 Jahren für die Kunstszene in Niederbayern erfolgreich leistet?

Grundsätzlich geht es erst einmal darum, die bildende Kunst ins Gespräch zu bringen, ihr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Es geht ferner darum, auf die schwierige Situation der bildenden Künstler hinzuweisen und deren Situation im Allgemeinen zu verbessern. Wie viele Menschen in den (niederbayerischen) Kommunen – nicht nur den größeren Städten Landshut, Straubing, Deggendorf oder Passau – erleben täglich, quasi im Vorbeigehen „Kunst im öffentlichen Raum“? Wie viele Menschen kommen dabei ganz selbstverständlich in den Genuss von Kunst? 

Wie viele Menschen besuchen Ausstellungen? Wie viele Menschen umgeben sich bewusst mit Kunst? Ich will hier aber gar nicht die betuchten Sammler und Kunstfreunde herausstellen. Wie viele Menschen behelfen sich mit Postern, Kunstdrucken und Kunstkalendern, deren Originale irgendwann einmal von Künstlerhand geschaffen wurden? Denn wer wäre so verarmt – geistig wie materiell, dass er ausschließlich auf leere Wände und in leere Räume starren oder bewusst keine Kunst ansehen wollte? 

 

Aber wie vielen Menschen ist dabei wirklich bewusst, von wem, wie und unter welchen Voraussetzungen Kunst produziert wird? 

Wer weiß schon, dass eben die wenigsten bildenden Künstler von ihrer Arbeit leben können? Und diese ernüchternde Tatsache steht sehr wohl im Widerspruch zur Qualifikation der vielen produzierenden Künstler, von denen die meisten eine gute Ausbildung, wenn nicht sogar einen Abschluss an einer Kunstakademie vorweisen können.

 

Deshalb braucht die Kunstszene, brauchen die Künstlerverbände die „Hubert Hubers“ an ihrer Spitze, die effektive Lobbyarbeit für ihre Klientel leisten. 

Deshalb beackert Hubert Huber permanent Themen wie Urheberrecht, Künstlersozialkasse, Kunst-Mehrwertsteuersatz, Bildkunst-Verwertung, Kunstwettbewerbe, Ausstellungsvergütung, Organisation und Selbstvermarktung. Eines seiner Credos lautet: „Heutzutage muss ein Künstler sein eigener Unternehmer sein!“ Und deswegen steht er seinen Künstlerkolleginnen und -kollegen, insbesondere dem künstlerischen Nachwuchs, als Berater zur Seite. 

Er weiß nur zu gut aus eigener Erfahrung, dass das Brot des Künstlers zumeist kein leicht und automatisch verdientes ist.

 

Ideenreich und engagiert wie Hubert Huber nun einmal ist, hat er viele Projekte auf örtlicher wie überörtlicher Ebene angestoßen und auf den Weg gebracht. Ja, nicht nur das, er ist über die Jahrzehnte hinweg vielfach auch deren Motor geblieben. Sie alle zu beschreiben, würde den Rahmen dieser Veranstaltung bei weitem sprengen. Deshalb konzentriere ich mich hier auf einige Wenige.

 

Seit 1988 berät Hubert Huber Kommunen, Institutionen und Firmen beim Thema „Kunst im öffentlichen Raum“. Ziel ist es, den Menschen Kunst näherzubringen. 

So initiierte er in seinem Wohnort Fürstenzell vor vielen Jahren einen der ersten Skulpturenparks in Niederbayern. Andere Gemeinden folgten diesem Beispiel. Dabei sorgt Hubert Huber stets für die Beteiligung anderer Kunstschaffender und nimmt sich selbst als Künstler zurück.

 

 

Kultureller Ehrenbrief der Marktgemeinde Fürstenzell 2016

 

Kultureller Ehrenbrief der Marktgemeinde Fürstenzell für Hubert Huber Dr.Wilfried Hartleb

 

Nur wer seine Heimat kennt, kann sie auch schätzen und lieben. Wer das Land kennt, in dem er lebt, dem öffnet sich auch der Blick für das Große und Weite in der Welt. Mit diesen Gedanken möchte ich sie auf meine Laudatio einstimmen. Sie gilt einem Künstler, dem heute die besondere Ehre zuteil wird, mit dem kulturellen Ehrenbrief seiner Heimatgemeinde Fürstenzell ausgezeichnet zu werden.

Wer seine Heimat kennt. 

Ja, wie kein anderer ist Hubert Huber mit seiner Heimat Fürstenzell verbunden. Der Klosterort Fürstenzell ist und war immer seine Oase und Kraftquelle für seine künstlerische Arbeit. Seine Projekte, die über den Landkreis Passau, über Bayern, ja über Deutschland und Europa hinaus ausgreifen, haben hier in Fürstenzell das Licht der Welt erblickt. Für Hubert Huber ist und bleibt Fürstenzell ein starkes Stück Heimat, das ihn geformt hat. Ohne sein Fürstenzell wäre er nicht das geworden, was er ist und wofür er schon viele Ehrungen erhalten hat. 

Seine Lebensstationen kreisen seit seiner Geburt um Fürstenzell: Gurlarn ist sein Geburtsort. Seine erste Galerie hatte er in Fürstenzell in der Griesbacher Straße. Ein besonderes Erfolgserlebnis in seiner Anfangszeit als Künstler, war der Brunnen aus Metall für die Raiffeisenbank Fürstenzell.

Wenn sie in die evangelische Kirche in Fürstenzell gehen, sehen sie, dass in diesem Gotteshaus ein von ihm geschaffener Altar steht kenntlich an Hubert Hubers unverwechselbaren künstlerischen Sprache. 

Schon lange ist Hubert Huber in seiner Heimatgemeinde Fürstenzell als Berater für Kunst im öffentlichen Raum tätig. Als einer der ersten Projekte initiierte Hubert Huber in den Jahren 1989/90 einen Skulpturenpark vor dem Kloster, der viel, heftig und kontrovers diskutiert wurde. Es war ein inovatives Kunstprojekt, das in späteren Jahren in ähnlicher Form an anderen Orten aufgegriffen wurde und Schule gemacht hat. Das ist schon einige Jahre her, aber man muss den Mut der damaligen Akteure auf der politischen oder auch auf der kirchlichen Ebene bewundern und dem Vordenker Hubert Huber Respekt zollen, dieses Projekt durchgezogen zu haben. Bei diesem Kunstprojekt wurden die Menschen mit zeitgenössischer Kunst nicht einem Museum sondern in einem öffentlichen Raum vor dem Kloster konfrontiert und sensibilisiert. Sensationell, wie Fürstenzell damals von auswärtigen Besuchern überschwemmt und überregional wegen dieser Kunstaktion als ein Mekka der Bildenden Kunst in den Schlagzeilen hochgejubelt wurde. Woher hat Hubert Huber diese Eigenschaft des Vor- und Querdenkens und die Hartnäckigkeit, seine Visionen und Ideen durchzukämpfen. 

Dazu sagt er, dass ihn die Jahre als Schüler am Maristengymnasium Fürstenzell sehr geprägt haben. Da gab es Lehrerpersönlichkeiten wie Dr. Ahle, die abseits des damals gängigen Unterrichtsmainstreams Unterricht der ganz anderen Art praktiziert haben. Der Biologe Pater Anton Thien und der Geschichtslehrer Straube aber auch der Latein- und Deutschlehrer Josef Sagmeister waren Lehrertypen, die keine schematisch langweiligen Unterricht praktizierten, sondern die über das Faktenwissen hinaus Erkenntnisse vermitteln haben und Schüler wie Hubert Huber und auch mich geformt haben. Es waren pädagogische Freigeister, die in keine Schublade passten, deren Gene Hubert Huber geerbt haben muss, sonst wäre er nicht der geworden, der er ist, ein Künstler, ein Quer- und Freidenker und Visionär auf den Gebieten der Bildenden Kunst. 

Künstler ticken ja anders als andere Menschen. 

Es geht ja bei der zeitgenössischen Bildenden Kunst nicht um äußerliche Aufhübschung, billige Dekoration und Bespaßung. 

Moderne Kunst biedert sich nicht dem Zeitgeist an. Sie will den Menschen berühren. Kunst schenkt den Menschen Augenblicke, in denen er tief durchatmen und über sich und die Welt nachdenken kann. 

Die heutige Welt wird immer unübersehbarer und komplizierter. Künstler stellen Fragen, die uns unsere Augen öffnen und die Realität entlarven. 

Ja, moderne Kunst wirft Fragen auf und gräbt nach den Wurzeln der modernen Zeit. Und Künstler suchen nach den Wurzeln der Kräfte, die den Menschen in seinen Einstellungen, Entscheidungen und Entwicklungen bestimmen. Die Künstler betrachten deren Auswirkungen und übersetzen diese Überlegungen in ihre persönliche Bildsprache. 

Bewusstseinsbildung ist das Geschäft, das wahre Künstler betreiben, denn Kunst ist wahrhaftig, sie soll den Menschen berühren. 

Kunst hebt sich vom profanen Bilderalltag der Menschen ab, Kunst darf anstößig sein im besten Sinne des Wortes. Kunst soll zum Denken anstoßen, denn Kunst entsteht dann, wenn der Mensch sich in eine Sache einfühlt und darüber nachdenkt. Kunst rüttelt auf und hinterfragt unsere Denk- und Sehweisen. 

Deshalb dürfen Künstler in ihrer künstlerischen Arbeit überzeichnen und sich künstlerische Freiheiten nehmen, die uns „Normalbürger“ irritieren, erschrecken oder gar verstören. Kunst trennt sich vom banalen Leben und erzeugt jenen Mehrwert, der uns neue Erkenntnisse verschafft. Auf diesen Mehrwert, den uns die Künstler geben, kommt es an.

Künstler wollen keine Anbiederungs- und Ergebenheitsnummern gegenüber dem Zeitgeist und dessen diffusen Wertvorstellungen abliefern. Künstler legen für den Betrachter immer eine Spur, das eigene Leben zu betrachten und zu reflektieren ohne ihn zu zwingen, dieser Spur zu folgen. Moderne Kunst ist deshalb radikal anders.

Diesem künstlerischen Credo hat sich Hubert Huber verschrieben.

Er selbst ist ja wie jeder Mensch von Fragen, Zweifeln, Hoffnungen und Sehnsüchten, Täuschungen und Enttäuschungen bestimmt. Wenn Hubert Huber künstlerisch tätig ist, dann verarbeitet er seine Kenntnis vom Leben des Menschen und seine Kunst ist Mittlerin zum Verständnis der Welt. 

 

Wer das Land kennt, in dem er lebt, wer dort aufgewachsen und verwurzelt ist, wer also einen festen heimatlichen Boden unter seinen Füßen verspürt, der ihn trägt, dem öffnet sich auch der Blick für das Große und Weite in der Welt. 

Diese Heimatverbundenheit in Verbindung mit dem Ausgreifen auf die Welt, das prägt die Künstlerpersönlichkeit eines Hubert Huber.

Hubert Huberts Künstlerkarriere ist stark bestimmt von der Tatsache, dass er seit 1987 Erster Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern ist. Der Sitz dieses Verbandes ist immer Fürstenzell. Wenn also irgendwo der Name des Berufsverbandes in Zeitschriften, Zeitungen und auf den weltweit präsenten Internetseiten auftaucht, dann wird auch immer Fürstenzell genannt. Seit 1987 kämpft Hubert Huber für seine Kolleginnen und Kollegen, die es als freischaffende Unternehmer es nicht leicht haben, sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. 

Hubert Huber hat von Fürstenzell aus die Welt erobert und indem er das getan hat, hat er die weite Welt der zeitgenössischen Bildenden Kunst in unsere Region gebracht. 

Überall, wo er Kunstprojekte realisiert hat, in Deutschland, Österreich, Tschechien, aber auch in Washington, in den Niederlanden ist der Name Hubert Huber mit dem Namen Fürstenzell verbunden. Mit diesem Blick von Außen, den er bei seinen Kunstaktionen draußen in der Welt gewonnen hat, ist er zum kulturellen Brückenbauer geworden, denn aus diesen Projekten sind grenzüberschreitende und länderübergreifende Verbindungen geworden, die sich als segensreich für unsere Region erwiesen haben. Denken sie nur an das große Kunstprojekt des Landkreises Passau, genannt Gipfelkunst im Jahr 2001, mit internationalen Künstlern. Manche von uns werden sich noch an das spektakuläre Eis und Feuer Kunstevent auf der Platte erinnern. Hubert Huber hat Kunstinitiativen auch in unserer Region gestartet, deren wichtigste Eigenschaft ist, dass sie nachhaltig sind: Produzentengalerie Passau, Kulturmodell Passau, Wettbewerb Junge Kunst der Sparkasse Passau, und und und… 

Ja, sogar an der Entstehung der Landkreisgalerie auf Schloss Neuburg war Hubert Huber als Ideengeber beteiligt. Seit einigen Jahren wird auch von der Brauerei Hacklberg der Maidult Bierkrug von einem Künstler gestaltet. Es sind alles Initiativen, die von dem Fürstenzeller Künstler Hubert Huber ausgegangen sind. 

Die Entwicklung der Kultur würden längst in einem Zustand der Stagnation verfallen, gäbe es nicht immer wieder nachkommende Generationen, die ganz wesentlich zur Weiterentwicklung der Kultur in unserer Gesellschaft beitragen und mit ihrem Können und ihren frischen Ideen dem Kulturleben neue Impulse geben. Dass die Jugend mit zeitgenössischer Kunst, ihrem Denken und Tun konfrontiert wird, dieser Idee hat sich Hubert Huber seit Jahren verschrieben. Er hat es ermöglicht, dass in unseren Schulen Künstler vor Ort mit den Schülern arbeiten und gemeinsame Ergebnisse hervorbringen, die öffentlich präsentiert werden. 

Für ihn ist die Jugendkulturarbeit die wichtigste Aufgabe, die wir Älteren haben. 

Wenn ich daran denke, was Hubert Huber alles initiiert hat, dann stellt sich die Frage, was ist Provinz oder besser noch, sind wir Provinz. Mit diesem Vorurteil werden wir Landbewohner ja immer wieder mal konfrontiert. 

Wie lautet nicht das Vorurteil, auf dem Lande da wird fleißig gearbeitet, vielleicht an der Goldhaube gestickt, im Kirchenchor gesungen und regelmäßig zum Stammtisch gegangen. Kultur im ländlichen Raum: Beschaulich, brav, bieder gleichbleibend und irgendwie langweilig. Die Hochkultur, ja die findet nur in den Metropolen, in den kreativen Treibhäusern der Großstädte statt. Nur dort kann man den kulturellen Kick erleben, sagen diese Leute.

Da wollen wir aber stark widersprechen, denn es gibt Kunst- und Kultursparten, die im Landkreis Passau zu Leuchttürmen geworden sind. Auf dem Gebiet der Bildenden Kunst gehört Hubert Huber zu den visionären Persönlichkeiten. 

 

 

 

Das Dreieck ist sein Markenzeichen

 

Das Dreieck ist sein Markenzeichen

Einführung von Dr. Maximilian Seefelder

zur Ausstellung „.b.e. hubert huber“

am 20 September 2016, 19.00 Uhr

in der Bezirkshauptverwaltung, Maximilianstraße 15, 84028 Landshut

 

Sehr geehrte Gäste,

viele von uns kennen ihn als Protagonisten und Netzwerker in Sachen Kunst. Als Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler in Niederbayern ist er seit Jahr-zehnten eine feste Größe in der überregionalen Kunstszene. Ein halbes Jahrzehnt stand er auch dem Berufskünstlerverband der Bundesrepublik Deutschland vor. Man kennt ihn, Hubert Huber, den nimmermüden, verbandspolitischen Streiter für die bil-dende Kunst und engagierten Verbündeten seiner Künstler-Kollegen. Als solcher wird er mit dem Kulturpreis 2016 des Bezirks Niederbayern ausgezeichnet.

 

Heute aber tritt uns Hubert Huber nicht als Kunstverbandspolitiker entgegen. Heute erleben wir ihn in seinem Hauptberuf, als freischaffenden Künstler, als der er seinen Lebensunterhalt bestreitet. Heute spricht nicht er über Kunst und seine Kunstver-bandsarbeit, sondern es ist über ihn und vor allem über sein künstlerisches Werk zu reden.

 

Dass er als Künstler ebenso etabliert ist wie als Kunstprotagonist, sei vorwegge-nommen. Dafür sprechen seine zahlreich wahrgenommenen Einladungen zu Sym-posien und seine Ausstellungen im In- und Ausland. Ich denke dabei nicht an solche in Tschechien und Oberösterreich, wo ein im Passauer Dreiländereck ansässiger Kunstschaffender mit guten nachbarschaftlichen Beziehungen gerne und schnell mal eingeladen wird. Nein, ich meine seine Ausstellungen nicht nur in Bayern und im Bundesgebiet, sondern ebenso seine internationalen Präsenzen z. B. in Italien, Spa-nien, den Niederlanden, Russland, Japan, Brasilien oder den USA – wobei auch dies lediglich eine Auswahl aus über 30 Jahren Kunstschaffen darstellt. Damit soll einleitend der geographische Wirkungsgrad von Hubert Huber umrissen sein. Nun zur eigentlichen Aufgabe, zum Werk des Künstlers, auf das ich Sie, liebe Gäste, einzustimmen habe.

 

Ursprünglich wollte Hubert Huber hier in unseren Räumlichkeiten ausschließlich Mo-notypien präsentieren.

 

Kurz zur Erklärung: Monotypie bezeichnet ein Verfahren, bei dem statt auf Papier oder Leinwand auf Glas-, Acryl- oder Metallplatten gemalt wird. Die noch feuchte Farbe wird auf Papier gedruckt – in der Regel mit einer Druckpresse. Es geht aber auch mittels Handabreibung oder mit einer Walze ähnlich einem Nudelholz. Von je-der Druckplatte kann nur ein Druck hergestellt werden. Daher die Bezeichnung Mo-no-Typie im Sinne von Einmal-Druck.

 

Gegen eine Ausstellung mit ausschließlich Monotypien habe ich allerdings freund-schaftlichen Einspruch erhoben. Denn diese jüngeren Arbeiten zeigen lediglich einen Teil von Hubert Hubers Schaffen. Der Künstler ist aber breiter aufgestellt, und nach-dem er im Mai sein 60. Lebensjahr vollendet hat, wollte ich in der Ausstellung auch ein paar retrospektive Akzente gesetzt wissen – und sei es auch nur schlaglichtartig.

 

Also, was macht das Werk von Huber Huber aus? Was bekommen wir heute zu se-hen?

 

Ich beginne zunächst mit einem – nur scheinbar – formalen Aspekt. Wer Hubert Huber kennt, weiß, dass die Form des Dreiecks – sei es zwei- oder drei-dimensional – zu seinem Markenzeichen geworden ist. Das Dreieck taucht in allen Werken des Künstlers und in allen möglichen Varianten auf. Übereilt könnte man von einer Marotte sprechen, so wie andere Künstler sich aus-schließlich auf bestimmte Farbtöne konzentrieren oder mit ein und demselben Mate-rial hantieren – zumindest über einen gewissen Zeitraum oder in einer bestimmten Schaffensphase. Marotte aber nur dann, wollte man Hubers Arbeiten lediglich flüchtig, ja oberflächlich betrachten und sich nicht eigehender mit Künstler und Werk beschäftigen. Setzt man sich jedoch mit der komplexen Symbolik des Dreiecks, das Hubert Huber stets krea-tiv zu inszenieren weiß, erst einmal näher auseinander, wird man auch des Künstlers Botschaften dahinter verstehen und seine abstrakten Gebilde interpretieren können.

 

Daher zwei Fragen:

1. Was sagt uns ein Dreieck, bzw. was symbolisiert es? Und:

2. Wie geht Hubert Huber damit um?

 

Zu Frage 1:

Geometrisch betrachtet ist das Dreieck die einfachste Darstellung einer Fläche. In der Philosophie Platons galt das gleichseitige Dreieck als Bild der Vollkommenheit. Darin ist auch ein Grund zu finden, warum das Dreieck nicht nur seiner Form wegen zum Symbol der "Dreieinigkeit Gottes" geworden ist. Noch weiter zurück als die christliche Ikonographie reichen universelle Deutungen von Naturvölkern und antiken Kulturen: das Dreieck als Symbol symbiotischer Dreier-Beziehung wie 

- Himmel, Erde, Mensch

- Vater, Mutter, Kind,

- Körper, Seele, Geist

- Erde, Feuer, Wasser

 

Das gleichschenklige Dreieck, dessen Spitze nach oben weist, symbolisiert Feuer und steht für Dynamik. In seiner spannungsgeladenen Form wird es als "männliches" Dreieck bezeichnet. Als Verkehrsschild zeigt es Gefahren an – ein bildlicher Imperativ sozusagen, der uns warnt: Achtung! – Nimm dich in Acht vor Kurven, Fahrbahnverengungen, Kreu-zungen, Staus, Wildwechsel, Seitenwind, Glätte, starken Steigungen usw. Auf Karten markiert diese Dreiecksform markante Geländepunkte. Das Gegenstück, das "weibliche" Dreieck, zeigt mit der Spitze nach unten, also zur Erde, zur Tiefe. Es symbolisiert Wasser und verweist in den Bereich der Kör-persphäre. 

 

Zu Frage 2:

Wie geht Hubert Huber mit dem Dreieck und seiner reichen Symbolik um?

Bleiben wir zunächst wieder beim Formalen:

Als Druckgrafiker verwendet er es zweidimensional in seinen Monotypien, Bildüber-lagerungen und Fotocollagen. Als Bildhauer verarbeitet er das Dreieck in seiner dreidimensionalen Form als Tetra-eder – als Körper mit vier dreieckigen Seiten wie er uns bspw. in der Pyramide be-gegnet.

 

Dabei deutet und nutzt der Künstler das Dreieck ganz unterschiedlich:

Das mit seiner Spitze nach unten gerichtete Dreieck kann bspw. ein auf das Wesent-liche reduziertes Gesicht darstellen oder einen menschlichen Körper abstrahieren. Das war übrigens überhaupt der Grund, warum das Dreieck als bestimmende Form in Hubers Werk gelangte und so kompromisslos dominiert: Er wollte die menschliche Figur immer mehr reduzieren und trieb diese Reduktion sozusagen bis auf die Spitze, nämlich bis nur mehr drei Linien, zwei davon auf einen Punkt hin zur Spitze nach un-ten gerichtet, übrig blieben. Das ist Hubert Hubers Interpretation des menschlichen Körpers. Sie beruht aber auf uralter Symbolik, wenn ich an vorhin Gesagtes erinnern darf.

 

Erinnern wir uns auch an das Verkehrsschild und seine Zeichenhaftigkeit. Hieraus ergibt sich der Bezug zu Hubert Hubers Monotypien, die er dem Thema „Achtung“ widmet. Freilich warnt er nicht vor Schlaglöchern oder Spurrillen. Er mahnt zur Ach-tung – vor dem Menschen, seiner Individualität, Hautfarbe, Ethnie, Geisteshaltung usw.

 

Entstanden sind diese Arbeiten im Format 50 x 50 im Passauer Künstlerhaus. Meist erarbeitet Huber immer Dreierzyklen in einem Zug. Das Spiel mit den Farben ist da-bei bestimmend. Was nach dem Farbauftrag auf der Druckplatte und dem Andruck herauskommt, ist nicht exakt vorhersehbar. Umso überraschender und spannender ist das Ergebnis.

 

Übrigens steht unten im Hof auf der Wiese vis-à-vis vom Eingang zum Forstkam-mergebäude ein verfremdetes Achtungs-Verkehrsschild. Innerhalb des roten Drei-ecks befindet sich statt eines Symbols, wie wir es aus dem Straßenverkehr kennen, eine Spiegelfolie. Dort sollten Sie hineinschauen und sich selbst betrachten – zumin-dest ist dies die Intention des Künstlers. Seine Botschaft: Achte zuerst dich selbst als Mensch mit all deinen Stärken und Schwächen. Dann kannst du auch andere achten!

 

Einige seiner hier gezeigten Arbeiten, ebenfalls ein Zyklus, entstand im Zuge eines Amerika-Aufenthalts in den 1990er-Jahren. Ich hatte ja erwähnt, dass die Ausstellung auch retrospektiv angelegt ist.

Technisch handelt es sich bei diesem Bilder-Zyklus um Bildüberlagerungen, die auf Acryl gedruckt sind.

Thematisch setzte sich Hubert Huber damals mit dem Thema Atomenergie und den großen Atom-Mächten auseinander. Abermals arbeitete er mit Symbolen – dem Dreieck, das in diesem Fall als eine Art Signatur zu verstehen ist, und mit dem Zei-chen für Radioaktivität: kleiner schwarzer Kreis auf neongelbem Grund, umgeben von drei schwarzen Flügeln ähnlich einem Flugzeugrotor. Sie alle kennen dieses Symbol. Stand es in den 1950er- und 60er-Jahren noch für Energie und Fortschritt, ist es mittlerweile zum Warnzeichen für die allumfassende Gefahr atomarer Ver-strahlung geworden.

Seine Aussage spitzt der Künstler zu, indem er die Symbole zusätzlich mit einem Text überlagert. Es ist jene berühmte Weissagung, die man den Cree-Indianern zu-schreibt und zum Credo der amerikanischen sowie westdeutschen Umweltbewegung geworden ist: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefan-gen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

 

„Ich“ nennt der Künstler einen Bilderzyklus, der zehn Jahre alt ist. Zu seinem 50. Ge-burtstag fällte Hubert Huber eine ca. 50-jährige Fichte und schnitt davon eine Baum-scheibe mit ihren 50 Jahresringen ab. Man könnte von einer autobiographischen Ar-beit sprechen: Das Foto dieser Baumscheibe setzte Huber in einen Fotoausschnitt vom Neuburger Wald. Hier nämlich ist der Künstler aufgewachsen. Die verschieden-farbigen Dreiecke, mit denen er die Baumscheibe überlagert, bewegen sich wie ein Uhrzeiger und versinnbildlichen sowohl den Lauf der Jahre als auch die Einflüsse und Entwicklungen, die auf den Menschen und Künstler Hubert Huber wirkten. Ent-standen ist so eine 25-teilige Bilderfolge – Drucke auf Leinwand.

 

 

 

Preis Brückenbauer 2015

 

Hubert Huber, Fürstenzell bei Passau Freischaffender Künstler

 

Hubert Huber ist freischaffender Künstler und seit 1987 Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) Niederbayern e.V. Bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs suchte Hubert Huber erste Kontakte zur Künstlerszene in Tschechien. Vor allem mit Künstlern aus den Regionen Pilsen und Südböhmen pflegt Hubert Huber bis heute nicht nur einen intensiven Austausch – viele der Verbindungen mündeten in langjährige Freundschaften.

Für den 1956 in Gurlan bei Passau geborenen Niederbayern spielten in seinem künstlerischen Schaffen von Anfang an die Zusammenarbeit mit tschechischen Künstlern und der Blick auf das zwischenmenschliche Miteinander eine bedeutende Rolle.

 

In seinem inzwischen 28 Jahre dauernden Engagement als 1. Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler in Niederbayern wird immer wieder sein starkes Bestreben sichtbar, Projekte grenzübergreifend auszurichten. Hubert Huber achtet stets darauf, bei der Planung von neuen Projekten auch Akteure aus dem Nachbarland Tschechien einzubinden. Dies zeigt sich in der mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Zusammenarbeit mit dem Südböhmischen Künstlerverband.

 

Hubert Huber hat die künstlerischen Projekte und Ausstellungen des BBK Niederbayern fast immer verbunden mit einem für die Künstler und das Publikum spannungsgeladenen Zusammentreffen von Kreativen aus anderen Ländern, besonders aus Tschechien. Im Projekt „Donau“, bei der Kunstaktion „Steindruck“, bei Holzbildhauersymposien, bei „Eiswelten“ und „Granit verbindet Europa“ im Granitmuseum Hauzenberg, in der Reihe „Drei Länder Kunst“ und bei sehr vielen weiteren Kunstpräsentationen bereicherten die grenzüberschreitenden Aspekte die Kunstszene Niederbayerns ungemein. Die Einbeziehung österreichischer und tschechischer Kunstschaffender wurde nicht als Konkurrenz, sondern als Belebung wahrgenommen.

 

Hubert Hubers Schaffen steht für das „Kulturmodell Passau“ und die von ihm mitbegründete und aufgebaute „Produzentengalerie Passau“. Der Galerie gehören derzeit acht Künstlerinnen und Künstler an, die gemeinsam zeitgenössische Kunst in Ausstellungen und Veranstaltungen vermitteln. Der rege Austausch mit Tschechien zeigte sich jüngst im Projekt „Zeitgleich“, bei dem im letzten Jahr acht tschechische Kunstschaffende mitwirkten.

 

Hubert Huber war darüber hinaus maßgeblich an der Einrichtung des Kulturpreises „Junge Kunst“ beteiligt. Der Preis wird seit 1996 alljährlich an junge Künstlerinnen und Künstler aus Niederbayern, Südböhmen und Oberösterreich vergeben und soll ihnen den Einstieg in das Kunstgeschehen ebnen. Im Laufe der Jahre wurde Hubert Huber mehr und mehr zum Dreh- und Angelpunkt eines grenzüberschreitenden künstlerischen Netzwerks, das alle sich bietenden Kontakte zur Erweiterung nützte.

 

Mit seinem außergewöhnlichen persönlichen Engagement für die grenzübergreifende Zusammenarbeit und Freundschaft mit den tschechischen Nachbarn verkörpert Hubert Huber einen Brückenbauer par excellence. Zum Dank und als Würdigung für diese Leistung verleiht ihm Bavaria Bohemia e.V. den Preis Brückenbauer | Stavitel mostů 2015.

 

 

Hubert Huber je umělcem na volné noze a od roku 1987 předsedou Profesního svazu výtvarných umělců (BBK) Dolní Bavorsko.

 

Již před pádem železné opony vyhledával Hubert Huber první kontakty s uměleckou scénou v České republice. Dodnes udržuje velice intenzivní vztahy zejména s umělci z Plzeňského a Jihočeského kraje – mnohé z nich dokonce vyústily v dlouholetá přátelství.

 

Pro tohoto výtvarníka z Dolního Bavorska, narozeného v roce 1956 v Gurlanu u Pasova, hrála spolupráce s českými umělci a společné mezilidské soužití již od samého počátku jeho umělecké tvorby významnou roli.

 

V rámci jeho již osmadvacet let trvajícího působení ve funkci předsedy Profesního svazu výtvarných umělců Dolní Bavorsko je neustále zřejmá jeho obrovská snaha realizovat projekty přeshraničně. Hubert Huber vždy dbá na to, aby při plánování nových projektů zapojil také kulturní tvůrce ze sousední České republiky. To se odráží i ve více než dvě desetiletí trvající spolupráci s Asociací jihočeských výtvarníků. Hubert Huber téměř vždy spojoval umělecké projekty a výstavy Profesního svazu výtvarných umělců Dolní Bavorsko se setkáními kreativců z jiných zemí, zejména z České republiky, která jsou zajímavá jak pro umělce, tak i pro publikum. Přeshraniční aspekty nesmírně obohacovaly uměleckou scénu Dolního Bavorska např. v rámci projektu „Dunaj“, při umělecké akci „Kamenotisk“, dřevořezbářských sympóziích, akci „Ledové světy“ a „Žula spojuje Evropu“ v Muzeu žuly v Hauzenbergu, v rámci cyklu „Tři země umění“ a mnohých dalších uměleckých prezentacích. Zapojení rakouských a českých umělců nebylo vnímáno jako konkurence, nýbrž jako oživení.

 

Pro tvorbu Huberta Hubera je charakteristické působení v ateliéru „Kulturní model Pasov“ a jím spoluzaložené a vybudované „Galerii producentů Pasov“. Galerie v současné době sdružuje osm umělců a umělkyň, kteří společně v rámci výstav a kulturních akcí prezentují současné umění. Živé kontakty s Českou republikou se v poslední době projevily v rámci projektu „Zeitgleich“ (Současně), kterého se v minulém roce zúčastnilo také osm českých umělců.

 

Hubert Huber se kromě toho rozhodujícím způsobem podílel na vzniku kulturní ceny „Mladé umění“, která je od roku 1996 každoročně udělována mladým umělcům z Dolního Bavorska, jižních Čech a Horního Rakouska a měla by jim usnadnit vstup do uměleckého dění. V průběhu let se Hubert Huber stále více stával stěžejním článkem přeshraniční umělecké sítě, která ke svému rozšiřování využívala všechny dostupné kontakty.

 

Svým mimořádným osobním úsilím v oblasti přeshraniční spolupráce a přátelství s českými sousedy ztělesňuje Hubert Huber stavitele mostů par excellence. Jako poděkování a uznání za tuto práci mu spolek Bavaria Bohemia e. V. uděluje cenu Brückenbauer | Stavitel mostů 2015.

 

 

 

PASSAUER KUNST BLÄTTER 51:1/2013 - Dr. Martin Ortmeier

 

»Im Auftrag des Klinikums Passau hat Hubert Huber für die Palliativstation einen ‚Raum der Stille‘ als ‚Ort der Ruhe, Besinnung und des Gedenkens‘ geschaffen. Die Konzentration seiner Gestaltung auf Licht, Naturholz und klare geometrische Formen hat Auftraggeber, Personal und Gäste überzeugt – eine souveräne Balance von Rückzug und Öffnung.

In der Folge wurde der Künstler auch mit der Ausstattung der Prosektur beauftragt, 2012 wurde die Arbeit abgeschlossen. Es handelt sich nicht tatsächlich um den traditionell so benannten Raum, in dem Sektionen durchgeführt werden, sondern um ein vom medizinischen Betrieb abgesondertes Zimmer, in welchem in der Klinik Verstorbene würdig aufgebahrt und auch besucht werden können. Andere Krankenhäuser nennen diesen Raum Verabschiedung. 

Dem Raum, der zur Verfügung gestellt wurde, fehlen Naturlicht, Höhe und zureichend Fläche, zudem ein Vorraum. Hubert Huber hat die enge Kubatur dieses Raumes mit einfachen Mitteln aufgeweitet. Drei Seiten – davon die beiden Schmalseiten mit Türen – hat er weiß belassen, die vierte Wand ist flächig mit Ulmenholz belegt. An der dieser Wand gegenüberliegenden Seite sind in offener Kreuzform fünf quadratische dimmbare Leuchtkästen angebracht, in deren Front Ulmenholzfurnier eingelegt ist. Die Wand hinter den Kästen entzieht sich der Wahrnehmung. In die niedrige Decke sind längs zwei parallele schmale Lichtbänder eingefügt. Während die Leuchtkästen warmtonig sind, geben die Deckenbänder weißes Licht ab. Sie sollen, nach Aussage des Künstlers, das Entschwinden des darunter aufgebahrten Toten andeuten. Auf die Furniere der Leuchtkästen sind geometrische Formen gedruckt: ein Kreis im zentralen quadratischen Kasten; in den umgebenden Quadraten nach unten, oben und den beiden Seiten weisende gleichseitige Dreiecke. Diese Formen sind überlagert von teils wolkenverhangenen Himmelsbildern: ‚Mit Sonnenaufgang und Sonnenuntergang wird‘, sagt Hubert Huber, ‚das Leben und mit Sternenhimmel und Vollmond das Ungewisse symbolisiert‘.

Die Möbel sind wie die eine Wand aus massivem Ulmenholz gefertigt: zwei liegende Quader als lehnenlose Bänke, drei Würfel-Sessel, Weihwasserstele und Kerzenstele. Während die Bänke, verleimt aus Stäben, massiv und kaum beweglich sind, bieten sich die würfelförmigen, ebenfalls lehnenlosen Stühle, die als Abschnitte eines hölzernen Vierkantrohres erscheinen, zur freien Gruppierung an. Denn sie sind leicht und bequem zu greifen. Auch die beiden Stelen, schlanke Quader auf flacher, weiß lackierter Stahlplinte, lassen sich nach Belieben platzieren. Die Stelen tragen weiße Porzellanschalen in der Form von Kugelsegmenten, die eine Wasser fassend, die andere Quarzsand, in den Kerzen beliebiger Größe gesteckt werden können. Als Erkennungszeichen für den Raum ist das Mondmotiv innen und außen an der Eingangstür angebracht. Nur auf den Wegweisern steht Prosektur geschrieben. Hubert Huber hat einen Raum gestaltet, der das christliche Symbol des Kreuzes nicht unterschlägt, dieses aber so einbringt, dass Menschen anderer Religion oder freien Glaubens dadurch nicht eingeengt werden. Die geometrischen Formen (Wissen und Bildung), Mond und Sterne (Ewigkeit und Ferne), Wolken (Veränderlichkeit des Tages), Wasser und Sand (Grundlagen der Natur), Kerzenlicht (Leben und Wärme) sind von solcher Allgemeinheit, dass sich niemand weltanschaulich eingeengt fühlen braucht, vielmehr zum sinnlich Wahrnehmen und zum Nachdenken angeregt wird.« 

Martin Ortmeier

 

 

 

...nau... Weinstadtmuseum Krems/Österreich 2011

 

Originalzitat Hubert Huber:

"Meine regionale Herkunft hat mich natürlich geprägt. Meine ganze Basis kommt aus der Region und ich stehe voll zu der Region, in der ich heute noch lebe. Als Künstler bin ich weltweit unterwegs und ich freue mich immer wieder, wenn ich zurückkomme, Kraft tanken und mich mit den Leuten, die mich auch verstehen, unterhalten kann. Mir tut das gut!"

Heute haben wir Hubert Huber zu Gast in Krems an der Donau. Nicht zum ersten Mal und sicher nicht zum letzten Mal, denn er ist ein ganz besonderer Künstler und ein ganz besonderer Mensch. Er ist ein international erfolgreicher Kulturschaffender, der trotz oder gerade wegen seiner globalen Kontakte in seiner Heimat, in seinen Freunden und Kollegen und in seiner Familie die Ruhe und die Kraft für seine Arbeit findet. Als Künstler verbindet er seine Liebe zur Heimat mit modernsten Medien, er ist trotz seiner gediegenen Ausbildung und vielfältigen Anerkennung als Bildhauer ein Suchender, der sich stets auf die Suche nach Neuem macht, dies kongenial umsetzt und dennoch dabei seine Wurzeln nicht vergisst. 

 

„Seine äußere Erscheinung ist perfekte Tarnung“ so beschreibt ihn Dr. Schiffkorn aus Anlass der Verleihung des St. Anna – Preises. Und er verweist in seiner Rede eine weitere Facette Hubers, nämlich seinen unermüdlichen Einsatz für seine Kolleginnen und Kollegen. Huber, so der Laudator wörtlich „zerreißt sich förmlich für seine Künstlerkollegen und verfügt über beste Kontakte zu den staatlichen Stellen, den Regierungsbezirken, Landkreisen, Gemeinden, zur Kirche und den Wirtschaftsunternehmen“. 

 

Bleiben wir beim Künstler: der gelernte Holzbildhauer und Konzeptkünstler Hubert Huber aus Fürstenzell ist als universeller Künstler immer auf der Höhe der Zeit und setzt in seinen Arbeiten die aktuellsten Medien ein. Internationale Anerkennung und internationale Ausstellungen zeichnen seinen erfolgreichen Weg. Seine Arbeiten werden in über 70 Katalogen vorgestellt. In zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, darunter in Bratislava, Brüssel, Krumau, Linz, Maastricht, Prag, Sofia, Warschau, Washington oder Wien. Natürlich zeigte er seine Werke auch in Passau, München, Bonn und vielen anderen deutsche Kulturstädten Und – das ist für einen Künstler mindest genauso wichtig: er verkauft sie auch. Seine Werke finden wir in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen darunter in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, in der des Bundesamtes Berlin, in der Universität Passau, im Museum Moderner Kunst Passau, oder im Egon Schiele Centrum Krumau. 

 

Als Kulturschaffender ist er unter anderem eng mit dem Berufsverband Bildender Künstler, der Produzentengalerie Passau und dem Kulturmodell Bräugasse in Passau verbunden. Er war und ist Organisator von nationalen und internationalen Kulturprojekten und Symposien. Seine Arbeit als Kulturvermittler kommt damit vielen Künstlern in Deutschland, aber auch Künstlern aus anderen Ländern zugute, denn er bezieht gerne und oft in- und ausländische Kollegen in seine Projekte ein.“

 

Unter dem Titel ...nau... beschäftigt Hubert Huber sich in der aktuellen Ausstellung in der Passauer Partnerstadt Krems mit der die beiden Städte verbindenden blauen Donau und ihren Facetten aus Sicht des Künstlers. Das aktuelle Projekt "...plb..." 2010/11, hat die Donau zwischen Passau und Belgrad zum Thema und das Projekt "...sin..." hat sich 2007 mit Flussinseln zwischen Passau und Castrop Rauxel beschäftigt. Zu beiden Projekten gibt es Movies mit Musik vom bekannten Passauer Komponisten Elmar Raida. Dazu werden Kunstwerke gezeigt die in den letzten Jahren zur Donau entstanden sind oder neu zur Ausstellung in Krems umgesetzt werden und erstmalig zu sehen sind. Im 2. Teil der Ausstellung sind Ausschnitte von Lichtprojekten zu sehen. Präsentiert werden die Kunstwerke mit unterschiedlichen Techniken und Medien wie Drucke auf Acryl, Papier, Leinwand, Folie, Movies mit iPod, Installationen usw. Im dritten Teil wird die Mariensäule vor dem Museum am Körnermarkt während der Ausstellung abends in neuem Licht erscheinen. Und es gibt original Donauwasser zu entdecken, vor einer Woche vom Künstler geschöpft - wie immer mit tatkräftiger Hilfe seiner Frau Hildegard, diesmal genau an der Grenze zum ehemaligen römischen Limes gegenüber von Favianis, also in Krems – Stein. 

Ich freue mich immer auf das Treffen mit Hubert Huber und seiner Familie, ich freue mich auf seine neuesten Arbeiten, auf tiefsinnige, humorvolle und interessante Gespräche und seine Erfahrungsberichte von seiner letzten Auslandsreise. Heute können auch Sie ihn und seine Arbeiten näher kennenlernen und ich bin überzeugt, dass Sie Hubert Huber als Künstler und als Person schätzen werden.

 

DER DIE GLUT ENTFACHT – LICHTKUNST IM SCHAFFEN VON HUBERT HUBER

 

Er brachte Holzscheite zum Lodern und Eiswürfel zum Schmelzen. Am 1. Dezember 2001 auf dem Plattenberg bei Fürstenzell war das, zusammen mit der tschechischen Künstlerin Dagmar Šubrtová. Es handelte sich um die letzte von 12 über das Jahr und den Landkreis Passau verteilten Stationen unter dem Titel »Gipfelkunst-Kunstgipfel«. Dazu hatten sich an jeder Station jeweils zwei Künstler unterschiedlicher Nationalität aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Ungarn oder der Slowakei zur künstlerischen Zusammenarbeit getroffen.1 Die Idee zu dem Projekt hatte Hubert Huber gemeinsam mit dem damaligen Kulturreferenten des Landkreises entwickelt. Für die Aktion auf dem Plattenberg im Neuburger Wald mit dem Titel »tri« errichteten Huber und Šubrtová in einem Tagwerk einen Tetraeder aus 25 Jahre altem, wurmstichigem Lindenholz und Sägemehl, dem sie bergseitig einen Hügel aus 750 Kilogramm Eisbruch anfügten. Vervollständigt wurde die Installation durch drei blaue, am Boden liegende Leuchtröhren der Fürstenzeller Araltankstelle. Dann wurde der Holzstoß angezündet. Während des Abbrennens und -schmelzens las der tschechische Dichter Josef Hrubý eigene Texte, Klaus Hatting (Saxophon) und Peter Kretz (Akkordeon) musizierten. Nach einer knappen Dreiviertelstunde waren von dem Gebilde nur noch einige glühende Holzscheite und eine Wasserpfütze übrig. Was heute scheinbar weit zurückliegt, sagt bei näherem Betrachten doch manches über den Künstler, vor allem aber viel über den Menschen Hubert Huber aus. Denn vor, neben und nach diesem Ereignis hat er stets eines getan: sich unermüdlich für andere Künstlerinnen und Künstler stark zu machen. Auch wenn er selbst gelegentlich bei seinen Projekten Hand anlegt, ist dieses kollegiale Engagement spürbar. Denn Huber versteht sich nicht als Einzelkämpfer, vielmehr als Moderator, der sich gerade im Team zu eigener schöpferischer Größe aufzuschwingen vermag. Dabei scheint weniger von Bedeutung, dass sich auch bei einem so leichtfüßig daherkommenden Kunstereignis wie »tri« dem historisch geschulten Blick sofort Assoziationen aufdrängen mögen: mit der Pyramide als Grundform für Bauten religiösen oder zeremoniellen Charakters, dem Scheiterhaufen als Bestattungsritual primitiver Kulturen oder Hinrichtungsmethode der mittelalterlichen Inquisition, oder auch der Erkenntnis der Vergänglichkeit alles Irdischen im »Eismeer« von Caspar David Friedrich. Denn gleich ob diese Bezüge da sind oder nicht, sie drängen sich nicht in den Vordergrund. Hubers Kunst ist stets fern einer vorgeführten Intellektualität, sie erfüllt sich ganz im Hier und Jetzt. So offenbart uns das Kunstprojekt »tri« zwei grundlegende Wesenszüge seiner Kunst: Sie ist gemeinschaftstiftend und ereignishaft.

Und sie basiert auf der Grundform des Dreiecks, die in Hubers Kunst seit langem eine, ja die dominierende Rolle spielt. Was ihm vielleicht mancher als Attitüde auslegen möchte, ist die notwendige Reduktion auf eine Marke mit hohem Wiedererkennungswert. Sie schützt den Künstler Huber davor, allzu sehr hinter dem Manager Huber zu verschwinden. Doch steckt darin auch eine gewisse Symbolkraft, ist doch die dreieckige Grundform ein gutes Fundament, um Großes darüber zu errichten. Und Großes hat Hubert Huber geleistet: als Vorsitzender des BBK Niederbayern seit 1987, als Vorstandsmitglied des BBK LV Bayern seit 1988, als Organisator unzähliger Kunstausstellungen, -Symposien und -Wettbewerbe. Die Produzentengalerie in Passau hat er 1990 mitbegründet und gehört ihr bis heute an. An der Errichtung des Kulturmodells Passau 1992–1994 mit Wohn-, Atelier- und Ausstellungsräumen war er maßgeblich beteiligt. Es ließe sich noch vieles hinzufügen.

Hubers Dreiecke führen uns aber auch zu seiner aktuellen Beschäftigung mit Lichtkunst. Wenn das Sonnenlicht durch einen schmalen Spalt oder ein Loch in der Wolkendecke fällt, so bilden die Strahlen ein stehendes Dreieck oder einen Tetraeder. Die Sonnenstrahltheorie versucht so etwa die Form der ägyptischen Pyramiden herzuleiten. Der »Dreieckskünstler« Huber beschäftigt sich seit längerem mit dem Einsatz von Kunstlicht: 2004 hat er anlässlich der Landesgartenschau die Burg zu Burghausen variabel angestrahlt und in vier verschiedene Lichtstimmungen verwandelt, der Markt Ruhstorf leuchtete 2006 im Rahmen des Kultursommers rot. 2007 gestaltete Huber ein Lichtspiel für die Palliativstation im Klinikum Passau, seit Januar 2008 macht eine sich bis in sanftes Rot hochschwingende Lichtinstallation auf das Gebäude der Sparkasse Passau in der Nikolastraße aufmerksam. Weitere Lichtprojekte folgten im selben Jahr mit »skylight« und »cafelight« im Rahmen der Dreiländermesse und »parklight« auf der Messe Rosenheim. Mit »knock on wood« brachte der Künstler 2009 Holz zum Leuchten. Schließlich sei noch der Lichtkunst-Wettbewerb 2005 für den öffentlichen Raum in Vilshofen an der Donau erwähnt, den Huber konzipierte und begleitete.3 Im vergangenen Jahr hat der Künstler einige seiner Lichtprojekte zu einer neuen Serie von Dreiecken verarbeitet. Er selbst schreibt dazu: »Die meisten Lichtprojekte waren nur temporär. So entstand die Idee, aus den Fotodokumentationen Kunstwerke zu schaffen, die in Ausschnitten an die Projekte erinnern Licht bietet der Kunst vielfältige Möglichkeiten: Es wirkt grafisch mittels Projektion auf Objekte und Flächen oder räumlich als Streulicht. Im Gegensatz zur Plastik, die den Raum im Sinne einer Objekt-Raum-Beziehung nur partiell erfüllt, verschmilzt das gestreute Licht mit dem Raum, anders gesagt: Das Licht entfaltet sich erst im Raum als Licht, während der Raum erst durch Licht als Raum erfahrbar wird. Die Grenzen des Raums sind daher zugleich die Grenzen des Lichts und umgekehrt. Raum ist Licht und Licht ist Raum. So lehrt uns die Beziehung von Licht und Raum die einfache Erkenntnis, dass die Dinge dieser Welt nicht ohne einander sein können. Und das gilt für das komplexe, gemeinschaftliche Wesen unseres Daseins und seiner Erscheinungsformen ebenso wie für deren Emanation in der Kunst von Hubert Huber. Auch deshalb drängt es ihn als Künstler wohl immer wieder hin zum Licht: ob auf der Burg zu Burghausen, dem Gebäude der Passauer Sparkasse oder auf dem Plattenberg. An dem Leuchtfeuer, das Hubert Huber für die Kunst in Niederbayern entzündet hat, können sich viele Hände wärmen. Philipp Ortmeier/Passauer Kunstblätter 2/2010

 

 

 

St. Anna Preis 2009

 

ZUR ST. ANNA-PREISVERLEIHUNG AM 25.7.2009

 

Herzlich willkommen lieber St. Anna-Preisträger Hubert Huber.

Willkommen liebe Familie Huber!

 

Besonderen Dank an Mag. Edda Seidl-Reiter und Univ.-Prof. Mag. Erwin Reiter: beide haben vor 13 Jahren den einzigartigen St. Anna-Preis gestiftet. (Für Nicht-Julbacher: Die Pfarrkirche ist der Hl. Anna geweiht, vor der Kirche steht Erwin Reiters St. Anna-Brunnen und der St. Anna-Preis wird jährlich um den St.-Annen-Tag verliehen.)

 

Dank der Gemeinde Julbach und ihrem Bürgermeister Adolf Salzinger für die Vorbereitung des heutigen Festes und Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, die Sie gekommen sind, um mit uns zu feiern.

 

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer zeichnet unser Fest mit seinem persönlichen Ehrenschutz aus. 

Er hat mich gebeten, dem Preisträger seine herzlichen Glückwünsche und Ihnen allen seine besten Grüße zu entbieten.

 

Sie wollen nun sicher mehr über den neuen Preisträger Hubert Huber erfahren. 

 

Hubert Huber – die offiziellen Lebensdaten

geboren 1956 in Gurlarn bei Passau, 

absolvierte 1978–1981 die Holzbildhauerlehre, 

ist seither freischaffender Künstler (Bildhauer und Graphiker), 

seit 1987 Erster Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern, 

seit 1988 Mitarbeiter bei der bayerischen Projektreihe „Kunst im öffentlichen Raum“, 

1990–1994 Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler der gesamten Bundesrepublik Deutschland, füge ich hinzu, 

seit 1990 Initiator und Gründungsmitglied der Produzentengalerie Passau, einer Galerie, die von den Künstlern selbst betrieben wird, 

seit 1992 Initiator des Künstlerhauses „Kulturmodell Bräugasse“ in Passau, seit 1994 Mitglied der Fachgruppe „Kunst und Bauen“ (BBK, Landesverband Bayern), lebt und arbeitet in Fürstenzell.

2001 wird er mit dem Kulturpreis des Landkreises Passau, 2005 Kulturmedaille des Landes Oberösterreich, ausgezeichnet. 

Seit Mitte der 90er Jahre enge Zusammenarbeit mit dem Büro für kulturelle Auslands¬beziehungen des Landes Oberösterreich bei den internationalen Bildhauersymposien „Grenzgänger“ in Böhmen, Bayern und Oberösterreich und deren Folgeprojekten, Mitarbeit am Internationalen Ausstellungsprojekt „Johannes von Nepomuk – der Heilige Mitteleuropas (Passau, Aldersbach, Plattling, Brüssel).

Organisator von nationalen und internationalen Kulturprojekten und Symposien, besonders in den drei Nachbarländern Böhmen, Bayern und Oberösterreich, mit besonders zahlreicher Beteiligung oberösterreichischer und tschechischer Künstler. 

Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. 

Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen.

 

Was sagt Hubert Huber über sich als Künstler, seine Familie und die Beziehung zu seiner niederbayerischen Heimat?

 

Für mich ist gerade das ganz Einfache in der Kunst wichtig. 

Bei mir ist der Name Huber sicher ein Markenzeichen. Ich habe auch noch Glück mit meinem Vornamen, dadurch ist mein Name fast ein Künstlername geworden. Es hat sich so ergeben: mein Vater war begeisterter Jäger und der zweite Sohn erhielt den Namen des Patrons der Jäger. Der erste Sohn hat so geheißen wie er selber, Hans, und ich habe als Zweitgeborener den Namen seiner Leidenschaft bekommen – Hubert. Im Nachhinein, muss ich sagen, ist Huber etwas Positives und mir als Künstler auf alle Fälle nützlich gewesen. Auch wenn ich Sohn eines Holzhändlers bin, was natürlich zu meinem späteren Beruf passt, bin ich auf einem Bauerhof geboren und die ersten zehn Jahre etwa dort auch aufgewachsen. Später waren wir immer in den Ferien auf dem Bauernhof – ich habe dies genossen und möchte mit keinem tauschen. 

Meine regionale Herkunft hat mich natürlich geprägt. Meine ganze Basis kommt aus der Region und ich stehe voll zu der Region, in der ich heute noch lebe. Als Künstler bin ich weltweit unterwegs und ich freue mich immer wieder, wenn ich zurückkomme, Kraft tanken und mich mit den Leuten, die mich auch verstehen, unterhalten kann. Mir tut das gut! 

Ich bin der Typ, der voll dazu steht, wo er aufgewachsen ist. 

Meine Kunst drückt das ja aus. Ich würde nie verleugnen, wo ich herkomme. Für mich ist gerade das ganz Einfache in der Kunst wichtig. Ich möchte mit meiner Kunst die kleinste Einheit ausdrücken. Und das ist immer das, wo man herkommt, wo man aufwächst. Für mich ist mein ganz nahes Umfeld das Wichtigste. 

Die Dinge, die ich erlebe, drücke ich in meiner Kunst, meiner Arbeit aus und darum ist meine Herkunft und meine Umgebung für mich ganz ganz wichtig.

Das Globale interessiert mich relativ wenig, weil ich glaube, nur wenn man die kleinen Einheiten in den Griff bekommt, kann man auch große Dinge bewegen.

 

Warum erhält Hubert Huber heute den St. Anna-Preis?

 

Nicht wegen seines Künstler-Seins und seiner hervorragenden Arbeiten als Bildhauer und Grafiker. 

Es sind seine besonderen Verdienste um die Wiederbelebung der traditionsreichen Kulturregion Böhmen, Bayern und Oberösterreich im Herzen Europas. Das heißt er schafft Begegnungen von Künstlern aus verschiedenen Ländern, sie arbeiten gemeinsam vor dem interessierten Publikum. 

Das erleichtert gegenseitiges Kennenlernen und baut evtl. noch vorhandene Vorurteile ab.

 

Die Geschichte – eine Dreiecksgeschichte – beginnt vor fast 20 Jahren!

 

Im August 1989 veranstaltet die Paneuropa-Union ihr legendäres Picknick an der österreichisch-ungarischen Grenze, daran nahmen auch viele Künstler teil. Während der Veranstaltung fliehen viele DDR-Bürger, die gerade in Ungarn auf Urlaub waren, nach Österreich. Die ungarischen Grenzsoldaten schauen weg. 

Im November revoltieren die Tschechen und Slowaken friedlich gegen das kommunistische Regime in Prag – mit Erfolg, wie wir wissen. Dann brach der gesamte kommunistische Machtblock zusammen, was früher niemand für möglich gehalten hatte.

 

2 Wochen nach der Samtenen Revolution – sie fordert auch Tote und Schwerverletzte – reist die spätere St. Anna-Preisträgerin Anna Kocourková von Pilsen nach Linz, um kulturelle Kooperation mit Oberösterreich zu suchen. Damals treffe ich sie das erste Mal. Ich freue mich, daß sie und ihr Mann Karel, beide prominente tschechische Fotokünstler und Kuratoren bei uns in Julbach weilen. (Über Anna entsteht gerade eine Diplomarbeit an der Schlesischen Universität in Opava.) Mit ihnen ist auch der damalige Chef des Pilsener Kulturamtes, der Künstler und Philosoph Dr. Thomas Kus, gekommen. Auch er ist ein Zeitzeuge und hat kulturelle Pionierarbeit geleistet. 

Ich begrüße ihn herzlich in unserer Mitte. 

Er stammt übrigens auch Susice/Schüttenhofen am Rande des Böhmerwaldes.

 

1991 veranstalteten meine neuen Freunde aus Pilsen in Lenora/Eleonorenhain das 1. Internationale Bildhauersymposion. Das Land Oberösterreich, vertreten durch mein neu gegründetes Büro für kulturelle Auslandsbeziehungen, war Mitveranstalter. Ich schlug vor, das Symposion jedes Jahr abwechselnd in Böhmen, Oberösterreich und Bayern durchzuführen. 

Das taten wir dann auch 10 Jahre lang.

1992 folgte Schwarzenberg, 1993 der bayerische Grenzort Haidmühle, wo ich Hubert Huber das erste Mal traf, 1994 wieder Lenora, 1995 wieder Schwarzenberg. Damals besuchte er uns mit einer Delegation der Gemeinde Untergriesbach. 

Und schließlich 1996 Untergriesbach, wo sich Hubert Huber als Chef des BBK Niederbayern ganz und mit großem Erfolg einbrachte.

Rückblickend muß ich sagen: ich glaube an Kausalitäten!

Ohne den Fall des Eisernen Vorhanges hätte ich nicht AK, ohne sie und unsere gemeinsamen Kunstprojekte sicher nicht Hubert Huber kennengelernt. 

So war die Verbindung zwischen unseren 3 Nachbarländern Bayern, Böhmen, Oberösterreich, die ich immer angestrebt hatte, Wirklichkeit geworden.

Ist es Zufall oder nicht, daß das Dreieck Grundmotiv in Hubert Huber’s Arbeit als Bildhauer und Grafiker ist?

 

Die herzliche Zusammenarbeit zwischen uns wurde intensiver. Ich konnte mir als Linguist und Kulturwissenschafter nicht vorstellen, daß sich dabei Sprachprobleme ergeben könnten... So lud er mich nach Bayern ein, er wolle mit mir etwas „o-schmatzn“. Ich wußte nicht, was er damit meinte, stellte mich aber wissend und dachte an einen gemeinsamen Gasthausbesuch, wobei nicht unbedingt die Anstandsregeln des Frh. v. Knigge eingehalten werden müßten.

(Abschmatzn bedeutet zB in Wien: feuchte Küsse tauschen.)

Es ging aber dabei um eine offizielle Unterredung mit Bürgermeister und Beamten der Gemeinde Untergriesbach ging, während der das Trinken und nachher auch das Essen gestattet war.

Der Vollständigkeit halber füge ich an, daß die gemeinsame Liebe zum bayerisch-oberöster¬reichischen Grundnahrungs¬mittel Bier die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch noch gefördert hat.

 

Hubert Huber hat sehr rasch die sich bietenden neuen Chancen einer kulturellen Kooperation mit unseren tschechischen Nachbarn erkannt. Er setzte – und setzt noch immer - dabei die volle Kraft eines bayerischen Löwen ein – als Interessensvertreter für seine Künstler in Bayern und Deutschland, aber auch für seine Kolleginnen und Kollegen in Böhmen und Oberösterreich und darüber hinaus. 

Er tut dies mit großer Freude. Das erstaunt nur jemanden, der Hubert noch nicht kennt. Als bekannter Bildhauer und Grafiker kennt er keinen „Brotneid“.

 

Besonders zu danken ist seiner Frau Hildegard, in der Hubert eine kongeniale Partnerin gefunden hat, die ihn voll und ganz unterstützt.

 

Bei uns in OÖ. würde man Hubert als „Vollprofi“ bezeichnen. 

Seine äußere Erscheinung ist perfekte Tarnung. Er überrascht alle, die ihn noch nicht näher kennen. Seine Freunde wissen es schon längst: er ist dynamisch und schnell wie ein Spitzenmann aus der Privatwirtschaft. 

 

 

 

Licht

 

“Besser ist es, Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.” Sprichwort

 

Hubert Huber hat im Laufe seines Künstlerlebens schon Einiges angezündet.

 

Mit Kunstlicht arbeitet Hubert Huber schon viele Jahre. Beim Projekt „Gipfelkunst-Kunstgipfel“ 2001 hat er für „tri“ neben einem Künstlerfeuer auch eine blaue Neonröhre der ARAL – Tankstelle Fürstenzell eingesetzt. Im Rahmen der Landesgartenschau 2004 in Burghausen hat er die Burg in vier verschiedenen Lichtstimmungen präsentiert, „Ruhstorf leuchtet rot“ war 2006 das Motto des Kultursommers, auch hier hat Huber den Ort mit rotem Licht verändert, 2007 wurde im Klinikum Passau in der Palliativstation ein Lichtspiel geschaffen und seit Januar 2008 macht Nachts eine rote Lichtinstallation auf die Sparkasse Passau aufmerksam. Während der Dreiländermesse 2008 wurden die Lichtprojekte „skylight“ und „cafelight“ und im Rahmen der Messe in Rosenheim das Projekt „parklight“ umgesetzt.

In Rosenheim hat Huber die Idee mit Holzlicht geboren und hat das Jahr 2009 unter das Motto „knock on wood“ gestellt. Er hofft, dass er das Holz zum Leuchten bringt so wie z.B. Anfang des Jahres im Granitzentrum Hauzenberg beim Projekt „Eiswelten“.

Die meisten Lichtprojekte waren nur temporär. So entstand die Idee aus den Fotodokumentationen Kunstwerke zu schaffen, die in Ausschnitten an die Projekte erinnern.

 

Alles Huber

 

Für mich ist gerade das ganz Einfache in der Kunst wichtig Bei mir ist der Name Huber sicher ein Markenzeichen. Ich habe auch noch das Glück mit meinem Vornamen, dadurch ist mein Name fast ein Künstlername geworden. Es hat sich so ergeben: mein Vater war begeisterter Jäger und der zweite Sohn erhielt den Namen des Patrons der Jäger. Der erste Sohn hat so geheißen wie er selber, Hans, und ich habe als Zweitgeborener den Namen seiner Leidenschaft bekommen – Hubert. Im Nachhinein, muss ich sagen, ist Huber etwas Positives und mir als Künstler auf alle Fälle nützlich gewesen. Auch wenn ich Sohn eines Holzhändlers bin, was natürlich zu meinem späteren Beruf passt, bin ich auf einem Bauerhof geboren und die ersten zehn Jahre etwa dort auch aufgewachsen. Später waren wir immer in den Ferien auf dem Bauernhof – ich habe dies genossen und möchte mit keinem tauschen. Meine regionale Herkunft hat mich natürlich geprägt. Meine ganze Basis kommt aus der Region und ich stehe voll zu der Region, in der ich heute noch lebe. Als Künstler bin ich weltweit unterwegs und ich freue mich immer wieder, wenn ich zurückkomme, Kraft tanken und mich mit den Leuten, die mich auch verstehen, unterhalten kann. Mir tut das gut! Ich bin der Typ, der voll dazu steht, wo er aufgewachsen ist. Meine Kunst drückt das ja aus. Ich würde nie verleugnen, wo ich herkomme. Für mich ist gerade das ganz Einfache in der Kunst wichtig. Ich möchte mit meiner Kunst die kleinste Einheit ausdrücken. Und das ist immer das, wo man herkommt, wo man aufwächst. Für mich ist mein ganz nahes Umfeld das Wichtigste. Die Dinge, die ich erlebe, drücke ich in meiner Kunst, meiner Arbeit aus und darum ist meine Herkunft und meine Umgebung für mich ganz ganz wichtig. Das Globale interessiert mich relativ wenig, weil ich glaube, nur wenn man die kleinen Einheiten in den Griff bekommt, kann man auch große Dinge bewegen. Ich glaube nicht, dass man von Haus aus gleich die Welt „beherrschen“ kann, sondern man muss in seinem Umfeld, dort wo man her ist, auf die Füße kommen, da muss man sich durchsetzen. Wenn man dies geschafft hat, kann man sich überall in der Welt durchsetzen, weltweit agieren – gerade mit den Möglichkeiten, die man heute hat – Stichwort: Mobilität, Medien. Das ist mir eigentlich das Wichtigste, dass ich das, was ich empfinde, künstlerisch umsetze. Das hat aber nichts mit Großstadt oder Weltmilieu zu tun, sondern das ist immer das ganz, ganz Einfache – und ich glaube, das sucht jeder. Und wenn man es schafft, dies auszudrücken, dann hat man es geschafft. Das suche ich zum Beispiel auch noch. Ich finde es ganz falsch, wenn man seine Herkunft verleugnet. Ich kann mich in jeder Weltstadt behaupten, ob in New York oder Washington, wo ich schon ausgestellt habe. Die Situation in der Welt ist ja fast überall gleich, fast austauschbar. Die in New York meinen, dass es am besten in Europa ist, in Düsseldorf, Berlin oder München und wir meinen immer, am besten ist es in Amerika ausgestellt zu haben. Aus langer, langer Erfahrung weiß ich, dass das vollkommen egal ist. Das Entscheidende ist, dass man wissen muss, was man selber machen will, und das kann man überall machen. Ich war Bundesvorsitzender des BBK, ich habe in Bonn Kulturpolitik gemacht, ich habe die Wiedervereinigung kulturpolitisch miterlebt. Gerade in Ostdeutschland und Tschechien habe ich ganz andere Situationen gesehen oder bei Länder übergreifenden Projekten in Deutschland, Österreich und Tschechien. Im Prinzip aber, wenn man dann mit den Künstlern zusammen ist, is t es überall gleich in der Welt, die ganze Sprache, die wir sprechen. Für mich sind die besten Künstler die, die machen, was sie meinen machen zu müssen. Und das muss man an der Arbeit wieder erkennen. Und wenn dann die Arbeit und die Persönlichkeit des Künstlers zusammen passen, ist das das Beste, was passieren kann. Ich bin ein Künstler, der mit den Räumen arbeitet – vor allem bei Einzelausstellungen. Das ist das, was mich am meisten reizt. Mich reizen natürlich auch historische Räume, weil ich zu unserer Vergangenheit stehe. Als Künstler ist man immer wieder überrascht, wie die Werke in einem anderen Kontext wirken. Das macht ja auch Spaß, zu sehen, dass Kunst auch lebt. Für mich gibt es auch keinen schlechten Ausstellungsraum, oder einen verkehrten Platz in einer Ausstellung. Das gibt es nicht, die Arbeit muss immer für sich selber sprechen. Ich freue mich immer, wenn meine Arbeit in einem anderen Kontext steht und anders spricht.

Hubert Huber

 

 

 

Verleihung des Kulturpreises 2001 des Landkreises Passau im Haus des Gastes zu Wegscheid am 17.11.2001 

 

Laudationes auf die Preisträger

Dr. Herbert W. Wurster

 

Der Preis für Leistungen auf dem Gebiet der Kultur

 

Der Kulturpreises 2001 des Landkreises Passau für Leistungen auf dem Gebiet der Kultur wurde dem Vorsitzenden des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern, Hubert Huber aus Fürstenzell, zuerkannt. Hier weiß ich eigentlich gar nicht, wo ich anfangen soll - nenne ich seine zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen im In- und Ausland, nenne ich die Kataloge dazu, nenne ich die Artikel, die sich mit seinem künstlerischen Werk befassen, nenne ich seine Mitarbeit in Ausstellungskonzeptionen, verweise ich auf seine Jurorentätigkeit, verweise ich auf seine Initiative in der "Produzentengalerie" und beim Kulturmodell Bräugasse in Passau, verweise ich auf seine Kooperation bei den kulturhistorischen Ausstellungen auf dem Oberhaus, wo er künstlerische Schwerpunkte beigesteuert hat, verweise ich auf seine Leistungen bei "Kunst am Bau", verweise ich auf seine Grenzüberschreitungen zu den böhmischen und oberösterreichischen Nachbarn wie in die weite Welt oder soll ich seine Kooperation mit dem Landkreis nennen? So viele heterogene Bereiche in einem Lebenswirken zusammenzufassen, das ist fast wie die Quadratur des Kreises - das kann niemand, außer er hat eine eigene Strategie. Und die hat der Hubert Huber, er macht nämlich ein Dreieck daraus. Das ist sein Erkennungszeichen und vielleicht auch eine Strategie - nichts Unmögliches versuchen, aber für die Kunstlandschaft unserer Region, für alte Künstler das früher schier Unmögliche auf eigenen Wegen erreichen. Deshalb gebührt Ihm, einem der bekanntesten Künstler im Landkreis Passau, schon lange der Kulturpreis, den er nun erhält. 

 

 

 

"Brauereifrottagen" 

 

Liebe Gäste, heute wird es nicht so ganz ernst! Denn Fest und Kunst und Bier am Johannistag - das ist Sommerstimmung, mehr Leben und weniger (Kunst-)Wissenschaft. 

 

JOHANNIS ... NACHT in S(ank)T INGBERT! Was schon in dieser Angabe an Zwiespalt steckt: Ein eigentlich heidnisches Fest in dem Ort mit vernehmbar frommem Namen. Solche Spannung lässt sich tatsächlich nur mit Kunst und versöhnlichem Bier überschäumen ... Weswegen wir wir uns vorsorglich auch in der Galerie in der Alten Brauerei befinden! Am Johannistag, gleich ob Christ oder Heid, muss getrun-ken werden, sonst kommt kein Segen. 

 

Einst war ja die Johannisnacht das Fest für das Sommerlicht. Voll Feuer, Magie, Beschwörung und Glaube an nur in dieser Nacht hebbare alte Schätze. Alles was darum herum geerntet und gefangen oder bereitet wurde Johannisblumen, Johannisfische, Johanniswein oder Johannistrunk das hatte so seine geheime Kraft: um von aussen drohende Störungen abzuwenden und für innen die Ordnung aufrechtzuerhalten. Heute ist der JohannisTag ein kirchlicher Feiertag, der die "heidnischen" Formen, mit denen sich unsere Vorfahren in den Rhythmus der Natur einbanden, als christliche Zeichen übernahm .... natürlich um sie zu verdecken. 

 

"Reibung" zwischen Zeiten und Kulturen, "frottage" dort und "frottage" hier: Hubert Huber ist der Mann für die Johannisnacht! Ein gestandenes bayerisches Mannsbild. Bierfreudig. Immer aktiv und erfolgreich. Würde man für jeden seiner Titel und seiner Ämter, und für jede seiner Ausstellungen und alle Kataloge je einen Holzkubus übereinandertürmen - so wie Huber sie gern passend im eigenen Körpermass baut, also 173 hoch - ... dann würde Hubert Huber an die Wolken reichen. 

 

"Den Huber" kenne und schätze ich nun schon seit vielen, vielen Jahren. Und er begegnet mir immer wieder. Unerwartet, an unglaublichen Orten, über andere Künstler, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie ihn "auch" kennen. Er ist halt überall, stets unterwegs, immer im Rollen. Ständig auf Reisen, auf dem Weg, oder einfach "weg". Und immer mit neuen Ideen. Dabei kommen dann Arbeiten heraus wie diese "frottagen" hier: schnell zu machen, leicht und transportabel, einfach unter den Arm rollen ... und weiter geht's. 

 

Das neueste Projekt über den "Jakobsweg" - wieder Wege, Treff-punkte, Herbergen, Austausch, Begegnungen - wird gleich digital gemacht. Im PC. Mit Klick automatisch heimzuschicken, oder immateri-ell in Sekundenschnelle voraus an den nächsten Ausstellungsort. 

 

Selbstverständlich steckt hinter dem scheinbar Leichten eine ernste Idee. Für Huber ist jede Reise ein Jakobsweg. Er reist, weil er künstlerisch in verschiedenen Ländern tätig ist. Weil sein Reisen als Arbeiten ein Ziel hat: Andere Künstler in anderen Ländern treffen, sie zusammenführen und zur Verständigung der Völker beitragen. "Frottagen" auf Papier sind immer zugleich auch Reisetagebuch, Zeugen der Wege, Erinnerungen, festgehaltene Gedankenziele. 

 

Die "Brauereifrottagen" entstanden im Dreieck Österreich, Tschechien, Deutschland, am Zusammenfluss der drei Flüsse Donau, Inn und Ilz - nahe bei Hubers Geburtsort in der Nähe von Passau, lange Zeit ein Grenzgebiet, in dem man eben nicht einfach zusammenkam. Es sind ungemein feine Arbeiten, bezüglich Material und Farben. Und subtil symbolische Arbeiten, die eine jede Bezug nehmen auf einen bestimmten Brauort und die gemeinsam über Hubers wiederkehrende Grundformen Dreieck, Kreis, Quadrat die drei Kulturen der drei Länder vertreten. Und die, noch einmal variiert im Dreiklang der drei Grundfarben Rot, Gelb, Blau, den Akkord gleichgestimmter Hoffnung und Zukunft zitieren. 

 

Wie diese fragile Papierarbeit gemacht wird, sollten Sie Huber selber fragen. Dann bekommen Sie noch ein bisschen O-Ton bayerisch! Hubert Huber (selbst): "Frottagen entstehen, indem mehrere farbige Beizen auf typische oder auffällige Motive, Flächen oder flache Gegenstände aufgetragen, oder aufgemalt werden und sich dann ihre plastischen Oberflächengestalten durch Abreiben ("frottage") auf das darüber gebreitete Papier übertragen. Ein guten alter Küferhammer kann zusätzlich nützliche Effekte setzen .... ! 

 

Heute bringt er diese "frottagen" aus dem Drei-Länder-Eck hierher: Markante Zeichen von dortigen Brauhäusern als farbige Botschaften gehüteter Tradition. Und kaum ist er richtig hier ... reibt er von den hiesigen Brauereien auch schon Bilder: von der Karlsberg Brauerei und von Becker´s Bier, speziell für die Gäste heute Abend. 

 

Dass diese "Grenzen-" und "Freundschafts-Arbeit" über Brauplätze und Biere geht, hat seinen tiefen Sinn: Denn Bier, Biertisch, Gemeinwesen und Verständigung gehören nun mal zusammen. Brauereien sind Symbole für Identität und Dauer, Markenzeichen einer besonderen Kunst, sind seit alters Treffpunkte, immer wieder gültige Kulturorte und Wahrzeichen. Auch wenn Bier recht weltlich scheint und Brau-Kunst meist von heiligem Orte ist - beim Bier und über´s Bier ist schon manch gewichtiges Anliegen geklärt worden. 

 

"Bier" bedeutet über Zeit und Raum und weltenweit so etwas wie Fest und Ritual in einem, hat Kunstwerke angeregt, bewirkt Wunder, versöhnt Götter und Menschen. Unsere germanischen Ureltern berauschten sich mit Schäumendem aus Honig. Inka und Azteken tanzten mit Maisbier im Kopf. In den Trockenzonen Afrikas gärt man's aus Hirse. Im Regenwald aus den Knollenfrüchten Jams oder Maniok. (0-Ton vom Bierfachmann in St. Ingbert Niko Becker: "Stimmt. Stimmt alles!" Natürlich, denn die Rednerin hat lange dort gearbeitet.) 

 

Wenn übrigens die männlichen Masskrug-Halter sich wundern, dass hier ein Weibsbild zum "Bier" spricht, so mögen sie hören: Traditionell hatten z.B. in West- und Zentralafrika das Brau-Recht allein die Frauen! Das war sozialer Machtausgleich. Eine Frau durfte nämlich beim Fest dem Ehemann und jedem anderen das Bier verweigern und damit den Umstehenden andeuten, dass er ihr ein Unrecht zugefügt hatte: Die Sache wurde sogleich öffentlich in der Dorfgemeinschaft abgehandelt. Ja, - diese plausible Ordnung hat erst der Import von Löwenbräu, Becker´s und Karlsberg, ... diesen "RechtsZerstörern" aus Europa unterspült. Kulturwandel durch unser liebes Bier. 

 

Zurück zu Huber und den Gedanken aus seinem "Kulturmodell Bräugasse" ( ... schon wieder Bier) in Passau: Der Mann ist ungemein vielseitig und gibt sich doch jeweils eindeutig in seiner individuellen Art zu erkennen. "Bewegung", "Weg" - oder "weg" finden Sie in Hubers Werk allenthalben: als Thema und als Konstruktionsprinzip. Irgendwo muss sich etwas bewegen oder zumindest so aussehen. Der Wunsch nach Dynamik ist als Grundcharakter und Formbedürfnis unübersehbar und steckt offen oder verborgen in Huber´s Lieblingsformen: dem Dreieck, dem Würfel und dem Kreis. Alle schlicht, bodennah und überzeugend vollkommen. Mit mathematischer Fundierung fährt man eben immer gut. Dass Kreis und Kugel rotieren, versteht sich von selbst. Den beiden anderen muss etwas nachgeholfen werden - und Huber ist in Gestaltung und beabsichtigter Wirkung durchaus schelmisch und hintergründig. Meine Lieblingsskulptur ist ein Holzklotz, grad recht zum Spalten aus dem Stamm geschnitten und quer hindurch geht ein überstehender Eisenkeil: genannt "Roll"! Unmögliches möglich machen - die Visitenkarte eines sympathisch eigenwilligen Künstlers. Die "frottagen" sind hauchzart, eigentlich aber ist Hubers Material durchweg beachtlich handfest (wie der künstlerische Bearbeiter!). An erster Stelle und am liebsten Holz, daneben Granit, Stahl, stabiles Gummi, Glas. Natürlich auch Papier und Farben. Die aber nennt er dann schon Beizen, was viel schärfer klingt als einfach Farbe .... Aber er kann halt vielfältig damit umgehen, auch wenn er es nicht nur per Hand bewerkstelligt wie in den grazilen "frottagen", sondern in der letzten Werkreihe mit der Fräsmaschiene fein verteilte FarbSpritzer über die Bildfläche jagt! Das ist eben Hubert Huber! 

 

Seine Arbeit ist präzise Perfektion, sachliche Klarheit und starke Aussage. Die deutlich eingängigen Grundformen Dreieck, Kreis, Quadrat, die wiederum mit den Grundfarben in jeweils dreifacher Kombination erscheinen können, gibt es als Bildformate zweidimensional oder dreidimensional als kleine und grosse Skulpturen, Das ist alles ebenso handgearbeitet, wie maschinell überarbeitet und ergibt ein humorvolles grosses Werk. Viel Vergnügen beim Betrachten und dem Gespräch mit Huber bei Bier - oder Wein! 

 

Dr. Ingrid Helena Helmke, Juni 2001 

 

 

 

...weg... "Freude durch Kunst" 

Sparkasse Passau und Ausstellung ...weg... 

 

Ausstellungseröffnung

 

Freude durch Kunst mit Hubert Huber

am Mittwoch, 17.05.2000 im Forum Sparkasse Passau

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich Willkommen zur achten Ausstellung in unserer Reihe Freude durch Kunst.

 

Begrüßung lt. Anmeldungen

... den Künstler Hubert Huber mit seiner Familie sowie ...

 

Meine Damen und Herren,

heute zeigt einer der meistgenannten Personen wenn´s um Kunst geht seine Werke: Hubert Huber. 

Oder ganz anders: 

H wie hartnäckig, 

U wie urtypisch, 

B wie bayrisch, 

E wie engagiert, 

R wie robust und 

(T wie tatkräftig: das ist Hubert Huber). 

Hartnäckig muß einer sein, wenn er als als Künstler und als Kunstorganisator gleichermaßen erfolgreich ist. Das Material Holz, dem sich Hubert Huber zunehmend zugewandt hat, kann sich ganz hartnäckig den Bearbeitungswünschen widersetzen. Ebenso sind Sponsoren oft nur mit Hartnäckigkeit davon zu überzeugen, daß gerade dieser junge Künstler einen besonderen Weg vor sich hat.

Urtypisch repräsentiert Hubert Huber für mich Niederbayern, die bayrische Bodenständigkeit. Ein Lebensgefühl, das im Zupacken ebenso deutlich wird, wie in den filigranen und dennoch farblich kraftvollen Arbeiten. Italien läßt grüßen: Lebenszugewandt und sprühend (..wie die neuen Bilder) und doch zum Greifen, Anfassen, haptischen Erleben reizend.

 

Das E steht für Engagiert und braucht kaum näher erläutert zu werden. Als Vorsitzender des Bundesverbandes Bildender Künstler - BBK, ist er für die Künstler unserer Region beständiger und aktiver Fürsprecher, der immer wieder mit neuen Ideen nicht nur an die öffentlichkeit, sondern auch an uns Sponsoren herantritt. Im Rahmen der Produzentengalerie oder in Zusammenhang mit gemeinsamen Kunstauktionen der Passauer Partnerstädte, engagiert er sich stark für das KuMo. Das Passauer Kulturmodell, das in dieser Form einmalig in Deutschland ist un d vor allem: Das es ohne Hubert Huber, nicht geben würde. 

 

Robust für das R in seinem Namen ist mir mit Blick auf die Statur eingefallen. Robust steht aber auch für lebenserfahren, manchen Stürmen schon gewachsen und sein Lieblingsmaterial erfordert festen Handgriff, zupackenden Umgang mit Holz (auch wenn maschinelle Hilfsmittel die Arbeit heute verändert, vereinfacht und vielfältiger gemacht haben).

 

Und schließlich steht das T des Vornames für Tatkraft. Schaffenskraft, Ausdrucksstärke. Es steht für Fleiß, der in zahlreichen Ausstellungen zum Ausdruck kommt, in seinem umfangreichen Werk und natürlich in seinem besonderen Einsatz, ohne den die "Kunstlandschaft" in der Stadt und im Landkreis Passau eintöniger. Dafür vielen Dank.

 

Heute Abend steht der Künstler Hubert Huber im Mittelpunkt. Und dabei freue ich mich, dass mit Hubert Huber heute ein Partner und Freund unserer Sparkasse hier ausstellt. Denn Hubert Huber ist uns schon lange Jahre als Ratgeber und Berater verbunden. Zum Beispiel bei unserem zweiten Kunstprojekt, dem Wettbewerb "Junge Kunst".

 

Eng mit der Sparkasse verbunden auch, weil der Fürstenzeller Hubert Huber - wie Sie der von unseren Hostessen verteilten Broschüre entnehmen können - seinen künstlerischen Werdegang in unserer Sparkasse begann: 1984 fand seine erste Ausstellung in der Sparkassengeschäftsstelle in Neuhaus statt. Es folgten in den nächsten 16 Jahren zahlreiche weitere Ausstellungen - zuletzt z.B. in den Passauer Partnerstädten Akita und Krems.

Und nach einem langen künstlerischen Weg, der bei Hubert Huber nicht geradlinig, sondern sozusagen kontinuierlich "im Dreieck" verlief, ist er jetzt mit seiner Ausstellung "... weg ..." wieder auf seinem Weg zur Sparkasse Passau zurückgekehrt.

 

Außerdem gilt die Laudatio des heutigen Abends nicht nur dem Künstler Hubert Huber, sondern auch dem Geburtstagskind Hubert Huber. Wir gratulieren alle dem Hartnäckigen, Urtypisch Bayrischen Engagierten Robusten und Tatkräftigen Hubert Huber zum Geburtstag. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, so wie ich Herrn Huber kenne, freut er sich über ein Geburtstagsgeschenk besonders: über Ihr Interesse an seinen Arbeiten. über ihre neugierigen Fragen und vielleicht auch über den einen oder anderen Ankauf. 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, ich sagte ich freue mich doppelt über diesen heutigen Abend. Der zweite Grund meiner Freude ist, dass wir Ihnen, unseren Kundinnen und Kunden, mit dieser Ausstellung Anregungen bieten und ihnen Freude bereiten können. Wir wollen Sie auch zu Diskussionen oder sogar "artfremden" - nein eigentlich "ART-gerechten" Investitionen einladen, denn "die Kunst braucht ihr Publikum, wenn der Künstler von seiner Arbeit leben soll."

Im Sinne dieses Zitates von Robert Muthmann, wünsche ich Ihnen, unseren Gästen, einen interessanten, anregenden, diskussionsreichen und angenehmen Abend in unserer Sparkasse Passau.

 

Vielen Dank!

Renate Braun, Vorstandsvorsitzende, Sparkasse Passau 

 

 

 

...weg... Galerie Passepartout, Linz 

 

Meine sehr geehrten Damen und Herrn!

 

Ich wurde gebeten, anstelle von Dr. Aldemar Schiffkorn, der zur Zeit bedauerlicherweise im Ausland ist, zur Ausstellung von Herrn Hubert Huber zu sprechen. Das ist eine Ehre für mich, aber es fällt mir nicht leicht, einen Redner wie Dr. Schiffkorn zu ersetzen und dem Künstler und Kollegen die verdiente Würdigung zukommen zu lassen. Ein Versuch also. Von Hubert Hubers Schaffen weiß ich seit ungefähr 15 Jahren. Persönlich kennengelernt haben wir uns aber erst voriges Jahr anläßlich der Ausstellung "buntgeflammt" von Künstlern der Produzentengalerie Passau in der Kammerhofgalerie der Stadt Gmunden, die er kuratierte und an der er selbst auch beteiligt war. In seinen damals ausgestellten Arbeiten dominierte, wie auch hier in der Galerie Passepartout, das Dreieck. Und auf das Dreieck von Hubert Huber möchte ich eingehen. Vom Punkt über die Linie zur Fläche ist das Dreieck die elementarste und minimalste Form, die mit drei Seiten eine Fläche bildet. Und drei Aspekte sind es, die mir bei Hubert Huber sehr wichtig sind, nämlich: "Der Mensch - Das Werk - Die Gesellschaft".

 

Zum ersten: Hubert Huber wurde 1956 in Gurlarn bei Passau geboren. Er studierte Bildhauerei und arbeitet gleich nach dem Studium als freischaffender Künstler aus dem Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Österreich heraus. "Heraus" sage ich ganz bewußt, denn er bleibt seiner Heimat treu und zieht die Fäden für seine Projekte von dort aus. Seine Arbeitsweise hat sich in vielschichtiger Weise entwickelt und wurde multimedial, wie wir hier sehen. Er hat seine Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, Tschechien, Spanien, Österreich, Japan und den USA gezeigt. Hubert Huber ist in wichtigen Museen und Sammlungen mit Arbeiten vertreten. Zum zweiten: Zu seinem Werk. In dieser Ausstellung zeigt er zwei Werkblöcke. Den graphischen nennt er "Reiseskizzen aus Akita", den er auf seiner Reise in Japan schuf, und den skulpturalen Zyklus "...weg...". Weg kommt hier von Bewegung. In diesen Werken tritt einem das Dreieck augenfällig entgegen.

 

Mit, in, um und auf dieser strengen geometrischen Form arbeitet er auf eine sehr unorthodoxe Weise. Er führt z.B., den Pinsel nicht in gewohnter Weise auf Büttenpapier, sondern läßt u.a. eine Rotationsmaschine für sich arbeiten. Diese Arbeiten haben dann etwas sehr Spontanes und Gestisches, und wenn man den Entstehungsprozeß nicht kennt, vielleicht etwas Rätelshaftes an sich.

 

Das Dreieck, das er bewußt oder vielleicht sogar unbewußt, als eines seiner zentralen Elemente der Gestaltung einsetzt, ist mit starker Symbolik aufgeladen. Aus der christlichen Symbolik kennen wir das Auge Gottes und die Dreieinigkeit. Das Dreieck kann männlich sein, mit der Spitze nach oben gerichtet, was unter anderem auch für Feuer steht. Es kann weiblich sein, mit der Spitze nach unten, was auch für Wasser steht. Die beiden Dreiecke übereinander versetzt gelagert stellen das Symbol der Verbindung dar.

 

Bei vielen Völkern galt die Drei als Synthese von 1 und 2 und auch als Symbol der Vermittlung. Wassily Kandinsky hat in seiner Farbenlehre dem Dreieck die Farbe Gelb zugeordnet und Gelb ist wiederum die Farbe der Kommunikation. Verbindung, Vermittlung, Kommunikation. Und Hubert Huber ist ein großer Kommunikator, wie sich das im dritten Aspekt zeigt: Hubert Huber arbeitet nicht für sich allein im Elfenbeinturm. Er setzt sich auch für Kollegen und deren Werke ein, um sie in der Gesellschaft wirksam werden zu lassen. So hat er sich als Initiator und Organisator einen exzellenten Ruf geschaffen. Derzeit ist er der 1.Vorsitzende des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayerns. Vier Jahre lang war er Vorsitzender des BBK der Bundesrepublik Deutschland, er ist Berater bei "Kunst im öffentlichen Raum", ist Mitglied der Gruppe "Kunst und Bauen," Gründer der Produzentengalerie Passau und Initiator des "Kulturmodells Bräugasse". Das sind nur einige Beispiele seiner organisatorischen Leitungsfuktionen, die oftmals unbedankt bleiben und sogar kritisiert werden. Denn wenn sich jemand für andere in der Öffentlichkeit einsetzt, wird einem das oft als Schwäche ausgelegt und als Unfähigkeit, alleine bestehen zu können. Und das trifft auf ein Kaliber wie Hubert Huber ganz bestimmt nicht zu.

 

Seine organisatorische Arbeit kommt vielen Künstlern in seinem Land, aber auch Künstlern anderer Länder zu Gute, denn er bezieht in seine Projekte immer ausländische Kollegen mit ein, wie im Projekt "Apokalypse around the world" oder wie im davorliegenden Projekt mit japanischen Künstlern aus der Partnerstadt Passaus Akita.

 

Ich möchte ihm an dieser Stelle danken, daß er sich so für Künstlerkollegen, auch für österreichische, auf diese so unvergleichliche Weise einsetzt, denn die Kunstlandschaft an den Ecken der drei Länder Bayern, Tschechien und Oberösterreich würde anders aussehen, gäbe es Hubert Hubers Initiativen nicht.

 

Seine Arbeit resultiert aus Idealismus, und ich glaube, daß auch die Gründung der Galerie Passepartout sehr idealistisch gedacht war, und so wünsche ich der Ausstellung "weg" in der noch jungen Galerie von Hubert Huber viel Erfolg, wie immer er ihn definieren mag.

 

Josef Linschinger Linz, am 2. Oktober 2000 

 

 

 

...weg... I 

 

Winfried Helm

 

In diesen Gestaltungsformen präsentiert uns Hubert Huber »... weg ...«: würfelförmige Kleinplastiken und Objektkästen je10/10/10cm) - »Flachware« in Klein- (10/10cm) und Großformat (50/50cm). An Materialien setzt er - abgesehen von Papier, Holzlasuren und Klebstoffen - Holz, Stahl, Kunststoff und Glas ein. Nukleus der materiellen Wanderung sind drei kompakte Würfel aus Stahl, Kunststoff und Holz. Sie sind durchbohrt und tragen eine bewegbare Achse, und an der Achse lagern keine Räder, sondern - Dreiecke. Die Dreizahl der Materialien war keineswegs von vorneherein festgelegt; eigentlich sollte auch ein gelochter, achsentragender Glaskubus entstehen, doch hier stieß Hubert Huber an materielle Grenzen: in der zur Verfügung stehenden Zeit (hier geht es wohlweislich nicht einfach um Wartezeiten, sondern um Abkühlungsprozesse in erstaunlicher Langsamkeit) und mit den deutlich gerahmten finanziellen Möglichkeiten war das mit Glas (noch) nicht zu machen. Die Kleinplastiken haben je ein Materialgeschwister: ebenfalls achsentragende Objektkästen, hohl und oben offen, gefüllt mit Werkresten des entsprechenden Materials - Stahlspäne, Gummibrösel, Holzspäne. Geschwisterlos blieb wegen der angedeuteten Zeugungsprobleme ein Glaskasten mit Glassplittern. Die Produktion der kleinen und großen »Flachware« nimmt einen klassischen Ausgang: Monotypien mit Holzbeizen auf Büttenpapier; als Druckstöcke dienen Dreiecke - wiederum aus den Materialien Holz, Glas, Metall und Gummi; gedruckt wird händisch mit den Farben rot, gelb und blau. Die Multiplikation der »Materialreihe« (4) mit der »Farbreihe« (ebenfalls 4: rot, gelb, blau und die Kombination rot-gelb-blau) ergibt die Serie: 16. Den Monotypien schenkt Huber Bewegung. In seinem Atelier in Fürstenzell steht seit kurzem eine Ständerbohrmaschine. Statt Bohrern oder Fräsern sitzt jedoch ein Pinsel im Bohrfutter: Monotypie auf den Bohrtisch, Pinsel in Wasserbeize (rot, gelb oder blau) getaucht, die Maschine auf Touren gebracht, und schon zeichnen sich wirbelartige, dynamische Spritzdekore auf das Büttenpapier. Die Beizen mischen sich und entwickeln neue Farbtöne. Der Bewegung nicht genug: wie vorher die Farben, so wird nun flüssiger Acrylbinder auf die dynamisierten Monotypien gespritzt; danach werden Materialspäne und -splitter aufgesiebt. Das Ergebnis: »Materialbilder«, die Bewegung abbilden. Dauerhaft? Sie wirken sehr »zerbrechlich«; hinterlassen Spuren. Bei der Produktion von »... weg ...« ist Material in Bewegung. Und dann: Statik; Abhilfe: digitale Produktion bewegter Bilder; Bilder, die das Material in Bewegung zeigen. Wiederum dient die Ständerbohrmaschine als »Motor«, läßt die Dreiecke an den Materialachsen sausen. Das zeigt uns ein kurzer »Film«, der eigentlich kein »Film« ist, weil er die Bilder materiallos produziert; oder bewegt sich in digitalen Prozessen »Material«. Nicht solches, mit dem wir gemeinhin umgehen. Ein Widerspruch? Ein Anstoss? Die Materialien Hubers sind Leitfossilien der industriellen Welt: Stahl - Kunststoff/ Gummi - Glas -- Holz? Huber mischt zwei Hölzer bei seinen Kleinskulpturen: Esche und Nussbaum. Zwei Welten: der Nussbaum als plüschiges »Retroelement« im Autocockpit; die Esche als Symbol eines faszinierenden, gekonnten, jedoch vergangenen Umgangs mit den eng begrenzten natürlichen Ressourcen: der Wagner, der die Eigenschaften - Härte, Zähigkeit, Elastizität ... - der Hölzer kennt und dementsprechend einsetzt; für die Naben, um die sich alles drehte, verwendete er Eschenholz. Heute: Material in beliebiger Vielfalt, mit beliebigen Eigenschaften, und - so scheint es - in schier endloser, nicht selten sinnloser Bewegung auf allen denkbaren Wegen. Postindustrie: Nicht so sehr das Material, sondern die Bewegung ählt. »Materialfreie« Transaktionen rund um den Erdball - per Mausklick. Eine kleine Handbewegung bringt die Erde zum Beben. Was wird, darf bleiben? Und was geht ... weg ...? 

 

 

 

...weg... II 

 

Dr. Franz Schönfellner, Krems, 31. 3. 2000.

 

"..weg...", so verwirrt uns Hubert Huber mit seinen neuesten Arbeiten und verführt uns damit zum Hinschauen. Genau das ist ja seine Absicht, denn er hat seinem Lieblingsmaterial, dem Holz, neue Transformationen abgerungen. Die Monotypien werden zu Abbildern einer Bewegung, zu Momentaufnahmen eines Prozesses. Sie lösen im Betrachter neue Assoziationen aus und führen den Blick von der Form, dem Abdruck des Materials zum Detail, den Spuren der Farbe und aufgebrachten Materialien. Die Plastiken von Hubert Huber verbinden das Holz ebenfalls mit neuen Stoffen und haben den Künstler zu neuen Arbeitstechniken herausgefordert. Die Kuben vermitteln Leichtigkeit und verleiten eigentlich zum Angreifen, um sie zu fühlen, zu bewegen, zu drehen, zu verändern.

 

"...weg..." wovon will uns Hubert Huber führen? Wir leben in einer Welt, in der das Holz zunehmend zum Anachronismus wird. Neue Materialien werden dort eingesetzt, wo früher Holz diente um beispielsweise Wände, Böden und Dachkonstruktionen zu unserem Schutz zu bilden. Holz war ehemals Hauptbestandteil der Transportmittel des Menschen, vom Floß bis zum Wagen. Holz gab Wärme und Licht und begleitete die Menschen durch den Alltag als unentbehrlicher Stoff. Wir erinnern uns vielleicht nur mehr an den Geruch eines brennenden Holzscheites an eine hölzerne Schulbank. Heute greifen wir zum Knopf der Zentralheizung und unsere Computer stehen auf speziell gehärteten Materialien, auf denen wir nicht mehr unsere Arbeitsspuren hinterlassen können.

 

"..weg..." wovon, oder eigentlich wohin gehen unsere Gedanken beim Betrachten der Bilder und Skulpturen? Gerne möchte ich wieder mit den Fingerkuppen über ein Stück glattpoliertes Holz gleiten oder ein rauhes, verwittertes Brett einer Bank berühren. Gerne möchte ich wieder die Jahresringe eines frisch gefällten Baumes zählen und dabei das Holz riechen und frisches Pech auf meiner Handfläche mit etwas Butter reiben, um es wegwaschen zu können. Vielleicht hat mich Hubert Huber damit ein Stück auf den von ihm beabsichtigten Weg gebracht. Er hat mir wieder ein wenig bewusst gemacht, was Holz für mich bedeutet und neue Sehnsüchte in mir geweckt.

 

"...weg..." ? Es wäre nicht Hubert Huber, wenn er uns nicht mit einem schelmischen Blick bewusst mit diesem Titel auf ein langes Gespräch, auf einen interessanten Diskurs oder auf einen gemeinsamen Austausch von Erfahrungen einladen würde. Noch lieber wird es ihm sein, wenn wir über neue Pläne und Ideen reden. Und damit hat er, der permanent als Künstler in der ganzen Welt unterwegs ist und sich dabei ständig selbstverständlich der neuesten Technik bedient, mich und meine Gedanken zum Innehalten gebracht. Hubert Huber zeigt das Ergebnis von Holz in Bewegung und dokumentiert neue Prozesse seiner künstlerischen Arbeit. Er bewegt damit unsere Gedanken ... weg... von den heute alltäglichen Stoffen in unserer technisierten Welt ... hin zu... jenen Dingen, Einstellungen und Werten, die wir schützen und bewahren müssen. Freuen wir uns auf die Reise.

 

 

Intro: Jazz - Monotypien von Hubert Huber 

Martin Ortmeier

 

Dank an Miles Davis! Eine Nacht an der großen Radierpresse des Passauer Kulturmodells begleitet von Miles Davis' "Aura" (1989): Intro, White, Yellow, Orange, Red, Green, Blue, Electric Red, Indigo, Violet. Jede Handbewegung des Künstlers Hubert Huber ist geführt von Miles Davis' Jazz: die Pinsel hinterlassen diesen Jazz auf der Druckplatte. Der Rhythmus am großen Handrad der Presse ist für immer eingeschrieben in den Körper des Künstlers. Diesen Jazz wird er sowenig je wieder verlernen, wie Schwimmen und Radfahren.

"It was a difficult chord to resolve, (...) but out of it came phrases, and with the phrases came the rhythm." (Miles Davis) Das liest sich wie eine Handlungsanweisung zu den Monotypien Hubert Hubers. Oder als Rezeptionsplan für den Betrachter dieser Monotypien. Die Stahlplatte in ihrer geometrischen Form ist der Akkord: s, n, l. Sie hinterläßt auf dem Papier ihre Prägung, über deren Grenze keine Farbe hinausreicht. Der Akkord, die zweidimensionale Form, wird aufgenommen mit dem Pinsel, die Bewegung des Werkzeugs folgt der geometrischen Figur, phrasiert dann freier in der Fläche, mitläufig, gegenläufig, gegen den Kontur andrängend, zum Teil überdeckend, gelegentlich Interferenzen anstoßend, wie in l schwarz/weiß (Monotypie 3).

Die Interferenzen scheinen die zweidimensionale Faktur, den handschriftlichen Rhythmus in den Raum abzudrängen, am deutlichsten und reifsten in n rot (Monotypie 8). Gelegentlich wird abschließend noch einmal der zerlegte Akkord, der Umriß der Figur aufgenommen: s gelb (Monotypie 4).

Die Farben, Hommage auf Miles Davis' "Aura", sind rhythmisch in die Form, über die Phrasierungen geworfen. Die Pinselschläge reagieren auf die geometrische Form, verweigern sich aber einer Einvernahme mittels Synkopen und Breaks. Wie das flinke Schlagzeug im Stück "Indigo" liegt über manchen Blättern ein Sternewirbel aus Flecken, auf der Stahlplatte erzeugt von Verdünnungsspritzern (mit Dispersion von Magnesiumstaub): Höchstes, Sphärisches. Zugleich aber verdammt irdische Pockennarbung: Aussatz. Die mechanischen Spuren des Quirlpinsels bemächtigen sich der schwarzen Phrasierungen ebenso wie der roten, gelben, blauen ......Kalligraphie.

Hubert Huber malt seinen Jazz bisher gleichsam in kleiner Besetzung. Die Instrumente - Breitstreicher, Quirlpinsel, Haarpinsel - sind von geringer Zahl, aber in manchen Blättern zeichnet sich bereits eine verwobenere Phrasierung und mächtigere Schichtung ab. Partitur und Improvisation halten sich die Waage. Soll man sich mehr Partitur wünschen?

 

 

 

Intro: Jazz - Monotyps of Hubert Huber 

Martin Ortmeier

 

Thanks to Miles Davis! One night on the big press of the Passau culture model accompanied by the tunes of Miles Davis's "Aura" (1989): Intro, White, Yellow, Orange, Red, Green, Blue, Electric Red, Indigo, Violet, every hand movement of the artist Hubert Huber is orchestrated by Miles Davis´Jazz. The brushes leaving their Jazz on the pressure plate. The rhythm on the big hand wheel of the press is written down in the artists body forever. He'll never be without this Jazz unless he forgets how to swim or to ride a bike.

"It was a difficult chord to resolve, (...) but out of it came phrases, and with the phrases came the 

rhythm." (Miles Davis) This is read like instructions to the Monotypes of Hubert Huber, or as a reception plan for the viewer of these Monotypes. The steel plate in its geometrical form is the chord: s, n, l. It leaves itself stamped on the paper and no color reaches over the borders. The chord, the two dimensional form, has been taken up by the brush, the movement of the tools follows the geometrical forms, it's then, phrased into the surrounding area which, sometimes runs with and against it, fighting with the contour, a few parts covered and sometimes hidden in the interferences like in l black/white (Monotyp 3).

It seems, at times, that the interferences pushes the two dimensional fractures, the typical rhythm, into the room - a perfect example of this is the: n red (Monotype 8). Sometimes the dismantled chord, the outline of a figure, will be conductingly picked up again: s yellow (Monotyp 4). The colors, hommage of Miles Davis´s "Aura", are thrown ryhtmically into the form, over the phrase. The brushes hidings and reacting to the geometrical form, but then, resists against the interrogation of the Syncopation and Breaks of the rhythm.

Like the quick drum in the piece "Indigo" star swirls lay on leaves, which are produced out of the dilution of drops (with a dispersion of magnesium dust): most highest, spherically. But, at the same time, damned earthly pock-narbs: leprosy.

The mechanical tracks of the swirl brush strokes takes possession of the black, the red, yellow, and blue phrases as one . . . Calligraphy.

Up to now Hubert Huber paints his Jazz in small orchestras. There are not a lot of instruments, a couple of wire brushes, a few rollers, paint brushes but, in some of the leaves they're already taking an interwinded phrase and a powerful stratification which seems to come from somewhere above. Score and improvisation seem to be the case here. Should one wish for more score? 

 

 

 

Einblicke und Ausblicke - Hubert Huber im Dialog mit der Natur 

 

Ich habe ihn oft beobachtet, als er seine Formen aus massiven Blöcken gestaltet hat. Da war viel Kraft nötig, Schwerstarbeit ist so etwas, doch ihm ein Leichtes. Sorgfältig geht er um mit dem Holz, nur das Notwendigste nimmt er weg. Und es hat den Anschein, als weiß er genau, was er mit dem Holz macht oder besser, was das Holz mit ihm macht. Er geht um den Block, schaut, spricht. Der Monolog wird zum Dialog mit dem Material. Schwitzender Schwerarbeiter und bedächtig vorgehender Filigranwerker, das geht schon zusammen. Er schneidet, hobelt und schnitzt. Heraus kommen reduzierte Formen. Fast immer spielt das Dreieck eine große Rolle, es ist seine Figur geworden .Sinnfälliges Symbol in unserer Kultur. Das Auge Gottes, die heilige Dreifaltigkeit, die weibliche Scham, Sinnbild für das Leben, die Familie, die Huber hochschätzt. Das Dreieck auf der Spitze kann für Schamdreieck und Brüste stehen. Andersrum sieht sich der Mann. Selbst aus der Kugel holt er seine Figur. Es ist, so verstehe ich es, seine Version der kosmischen Botschaft, die Leben symbolisiert und in jedem Fall den absoluten Willen zur Sinnsuche vermittelt. Jenseits des Metaphysischen darf man bei Huber aber nie das Augenzwinkern vergessen. Denn so barock, wie er da steht, ist er auch - ein geselliger, humorvoller Mensch. Vom Holz nimmt er die Abdrücke. Seine Drucke sind die Handschrift des Holzes, Huber macht sie sichtbar. Er spielt mit den Variationen seines Materials. Er arbeitet mit der Schrift des Holzes, der Maserung, den Jahresringen, Ästen und Einlagerungen, seiner Farbe, ja selbst das Reißen und Verrotten des Holzes gehört dazu. Hubers Sprache geht von den Händen aus, die er dem Holz leiht. Da wird er zum Visionär. Original und Abdruck nebeneinander hilft uns sehen und lernen. Der Künstler steht dazwischen, zwischen zwei Realitäten, hier das Naturgewachsene, dort das künstlerisch davon Genommene. Doch es ist kein Wegnehmen im Sinne von Eliminierung, sondern es ist ein Nehmen und Dazugeben. Und nie bleibt bei Huber die Gesellschaft außen vor. Wenn er Dreiecke in verschiedenen Formen und verschiedenen Farben aufstellt, so leicht erkennbar, dass ein Appell an die Achtung aller Hautfarben und Menschenrassen dahintersteckt. Vermischung ist erwünscht. Der Künstler gewährt Einblick, indem er das Material aufschließt, öffnet. Nichts anders hat er mit dem mächtigen Stamm einer Tanne getan. Wulstig, bucklig hat sie sich in die Erde gekrallt. In Aidenbach stand sie in zwei Teilen, geöffnet wie ein Tor, das Ein- oder Durchlass gewährt. Da ist er wieder, jener Dialog mit dem Gewachsenen, die Ehrfurcht vor der Natur, in der wir alle stehen. Hubert Huber hat mehr Ecken und Kanten als seine Dreiecke, aber genauso viel Reibungsfläche wie das Holz. Und das ist gut so. Für mich, der viel schreibt über die Kunst, passt er in keine Schablone. Kategorisierungen sind uns beiden verdächtig und elitäre Theorien ohnehin. Aus Hubers Holzarbeiten spricht innere Zufriedenheit. Wer kann das schon von sich sagen.

 

Markt Aidenbach/Kunst im öffentlichen Raum 1998/99 Stefan Rammer 

 

...drei... 

 

...Die Dreiecksformen aus oxydiertem Walzstahl, Eichenholz und Herrenholzer (Hauzenberger) Granit sind exakt geradlinig ausgeschnitten, drei Materialien sind - auf Distanz! - miteinander kombiniert, dreifach miteinander verbunden. Die Dreiecke sind aufgestellt, weisen nach oben, das weichere wird flankiert von den beiden harten. Jedes Material wird unveredelt als solches vorgestellt: der Stahl rostend, das Holz vergrauend und im Fußbereich bemossend, der Stein brüchig. Die geschnittene Granitplatte ist an den Flächen gleichmäßig senkrecht gerillt. Die Stege zwischen den Furchen, die eine hartstahlbestückte Trennscheibe gezogen hat, sind abgebrochen. An diesen Bruchbändern ist die Brüchigkeit des Steins sichtbar, die Körnigkeit des granito“ wird sinnfällig, die sich ansonsten am fertigen Werk der Wahrnehmung entzöge. Das Werk von Hubert Huber hat Menschenmaß, 210x70x40 cm; es ist auf nahe Rezeption angelegt, rechnet mit Schattenspiel im Tageslauf der Sonne, perspektivischen Verwandlungen im Herumgehen des Rezipienten und dem Vergnügen dessen, der sich auf Fleisch und Blut in die Reihe der drei einordnet.

Die Kombination verschiedener Materialien hat am Denkmal Tradition: Stein und Bronze, derber und edler Stein, Stein und Stahl. 

Katalog "Granit" Freilichtmuseum Finsterau Martin Ortmeier/Winfried Helm (Hgg.) 

 

 

 

...brau... 

 

(Der Text wurde von John D. Antone nach einem Gespräch mit Hubert Huber für die Ausstellung in der Ruthless Grip Art Project-Galery in Washington D.C. im Mai 1997 geschrieben)

 

Each print in this exhibition is an interpretation of particular place. I come from Passau, Germany. I have gone to different towns with breweries well known in my region. Using objects found at these brewerier, he has created these prints using site specific actions.

Three countries (Czech, Austria, Germany) come together in the land surrounding Passau. Three great rivers (Danube, Inn and Ilz) merge at the point where the city of Passau is built. The prints use three froms (square, circle, triangle) to refer to the three cultures and natural delineations of my region.

When the Iron Curtain Collapsed and the Cold War ended, we in the heart of Europe were especially excited about the possibilities of the future. For forty-five years the region around my hometown, Passau, was divided. I was at the end of the Western World. Only six years ago people were shot crossing the border shared by Czechoslovakia and Austria and Germany. Six years ago the concept for "Brauereifrottagen" would not have been possible. The prints in this exhibition are relative to the spirit of hope for the future by the people in my region of Europe.

Finally, you may ask "Why beer?" I like beer. Beer is also a source of pride and symbol of celebration for the peoples in the Czech/Austrian/German region around Passau. Oktoberfest is know outside Germany. Löwenbräu, Pilsner and the original Budweiser beers are from my region of Europe. I like the people, the artist`s life and beer 

 

 

Die Vernünftler 

 

Halten Reden auf Kongressen,

wo sie Kaviarbrote essen

 

wahren aber auch Distanz

mit empörter Eleganz,

 

beben vor Verantwortung, 

demonstrieren sich nicht jung

 

meinen, wenn sie Frieden sagen,

würds hienieden wirklich tagen

 

tummeln sich von früh bis spät

auf der Einspur-Realität

 

merken nicht vor Schau und Qual,

dass, je heftiger sie verbal

 

ihre Statements von sich geben,

sie ein Teil von jenen Leben

 

werden, das sie so bekämpfen.

 

 

Warum diese Zitat: Zum eine, weil es ein Gedicht von Hans Dieter Schwarze ist, einem am 7. Mai 1994 verstorbenen sehr guten Freund von Hubert Huber und mir. Ihm sind in dieser Ausstellung Drucke gewidmet. Zweitens, weil ich mich ein klein wenig selbst zügeln will, was das vernünftige, das gscheite“ Reden anbelangt. Vernünftig ist der Hubert, aber vor dem Hirn kommt das Herz. Drittens, weil ich denke, dass aus der Umkehrung der Reime der Künstler Huber ganz gut charakterisiert werden kann.

 

Hubert Huber, 1956 in Gurlarn bei Fürstenzell geboren, und nach einer Bildhauerlehre seit 1981 freischaffend, ist kein Mensch des Wortes, obwohl er keinesfalls auf den Mund gefallen ist. Das hat er als Organisator und Koordinator, als begehrtes Jury-Mitglied in vielen Gremien, und vor allem als BBK-Funktionär bewiesen. Was ich sagen will, ist, dass seine Sprache von den Händen ausgeht, mit denen er Holz behandelt und bearbeitet, und da wird er zum schöpferischen Visionär und Formulierer. 

 

Oskar Maria Graf, ein Wortgewaltiger, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre, hat immer das vom runden Menschen gezeichnet, dem Menschen, der in sich ruht, der Sicherheit und Zufriedenheit ausstrahlt und Charakter hat. Hubert Huber ist so ein runder Mensch, auch wenn es ihm das Dreieck angetan hat, doch da passt zusammen, dass er als runder Mensch Ecken und Kanten haben darf. Die braucht er sogar, damit er sich an anderen und andere sich an ihm reiben können. Da gehört das Hemdsärmelige dazu, die Ledersandalen, in denen er gern barfuß steht, das niederbayerisch-listige mit den Augen Reden und das lautstark Grantelnde, wenn es darum geht, jedwede Ignoranz der Kunst und damit der Kultur und der Menschlichkeit gegenüber anzuprangern. 

 

Hubert Huber hat sich lange für andere eingesetzt, freilich dabei immer betont, ehrlich wie er ist, sein eigenes Weiterkommen nicht zu vergessen. 1993 zeigte er seine Werke 18 Mal. Dieselbe Zahlt hat er 1994 jetzt schon erreicht. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass er nun zuerst an die eigene, dann an die Kunst seiner Freunde und Kollegen denkt. Er steigt den Berg hinauf, rollt keinen Stein vor sich, aber zieht einen Baumstamm hinter sich her. Und oben angelangt, weiß er ihn zu wurzeln.

 

Alte Kirche Rathsmannsdorf 1994 Stefan Rammer 

 

 

 

Kassiber aus dem Paradies? 

 

Mutmaßungen zu Hubert Hubers Holzkunst

Von Georg Eichinger, Berlin

 

Wer möchte leben

Ohne den Trost der Bäume

Günter Eich

 

Dass sich einer Holzbildhauer nennt und dann so wenig auf sein Material einwirkt wie Hubert Huber, hat schon manchen Besucher seiner Ausstellung irritiert. Ist das schon Kunst?

Anders als seine Kollegen zeigt Huber wenig Neigung, sein Holz mit Meissel oder Hammer zu maltraitieren. Er mag es nicht verwunden, erlässt es in Frieden. In Ruhe lässt er es freilich nicht. Er bringt es, auf erstaunlich behutsame Weise, zum Sprechen.

Warum dieser schier asketische Respekt vorm Material? Weil der Baum Leben ist? (Für Huber und seine Familie gilt das wortwörtlich.) Ich vermute einen anderen Grund. Huber zwengt dem Holz keine Bedeutung auf: etwa die einer menschlichen Figur oder eines Tierkörpers; nicht einmal die eines abstrakten Reliefs: für ihn hat der Baum bereits einen Text, freilich einen geheimen, den will er mit seiner Kunst sichtbar machen.

Der Baumstamm ist für Hubert Huber ein Brief, drum öffnet er ihn. Und weil, was darin steht, in seinen Augen so wichtig ist, macht er davon immer wieder Abschriften. Er druckt ihn ab.

Wenn Huber seinen Baumstamm aufgeschnitten hat und wir die Struktur des Holzes vor Augen haben, seine Maserung, die Jahresringe, die Farbe der jeweiligen Holzsorten, was sehen wir dann? Diese Schrift des Holzes - das die erste Wahrnehmung - ist schön, ein Trost fürs Auge. Sie fesselt unsere Aufmerksamkeit durch ihre Vielfalt, macht uns neugierig, zuletzt aber gibt sie uns Rätsel auf. Denn sie ist wohl Textur, nicht aber Text, den man so einfach ablesen könnte. Und doch wird man das Gefühl nicht los, es müsse ein Sinn dahinterstecken. 

Eine verborgene Botschaft? Und wie beim Betrachten einer unbekannten Schrift, einer arabischen z. B. oder chinesischen, freut man sich an der Schönheit der Zeichen und ist doch unzufrieden, dass man sie nicht entziffern kann. Huberts Holzkunst versucht sich als Lesehilfe für diese geheimen Botschaften der Bäume.

Eine Botschaft der Bäume? Tatsächlich gibt es in der abendländischen Philosophie seit Jahrhunderten den Topos vom Buch der Natur, Ausdruck der Hoffnung, dass man in der Natur wie in einem Buch lesen könne. Und was steht in diesem Buch? Dass alles, was es gibt, die Handschrift eines gütigen Schöpfers trage, dass alles also einen Sinn hat.

Recht schön, recht gut. Natürlich hat die Sache einen Haken: das Buch der Natur ist in Hieroglyphen abgefasst, in Geheimschrift. Uns bleibt die Wahl zwischen zwei Bücher: das eine - gemeint ist die Bibel - spricht unsere Sprache, doch was da drin steht, müssen wir glauben. Das andre sehen wir mit eigenen Augen, der Text aber bleibt für immer verschlüsselt. Wie schwer dem Künstler Hubert Huber die Wahl zwischen den beiden Büchern gefallen ist, weiß ich nicht. Dass er sich in seinem Werk entschieden hat: für Anschaulichkeit, nicht für Gewissheit, kann man sehen.

Nun ist Huber kein Sammler, der sich am Objekt trouvè der Surrealisten freuen würde. Dem verwunschenen Stein, dem bizarren Stückchen Holz, der Alraune läuft er nicht hinterher. Wohl findet er: seine Textur im Holz, doch er erfindet immer noch etwas hinzu. Neben dem Öffnen des Baumes - der Künstler als Anatom? - ist es seine vorsichtige Einfärbung des Holzes, die er als Lesehilfe einsetzt. Der Künstler als Dektiv, der mit seinem Pulver die Fingerabdrücke der Schöpfung sichtbar macht? Naturforscher in jedem Fall, das heißt einer, der in der Natur nach Beweismaterial fahndet für die Hoffnung, dass das schöne Muster kein Zufall ist, ohne weitere Bedeutung, sondern ein Brief: rausgeschmuggelt aus dem verlorengegangenen Garten Edens. Deshalb ist es natürlich kein Zufall, wenn Huber seinen witzigen Akt ausgerechnet einem Apfelbaum entnimmt.

Listig stellt er in seinen Ausstellungen Original und Abdruck nebeneinander, als Sehschule, auch als augenfälliger Hinweis darauf, dass Kunst und Realität sich unterscheiden. Doch auch das genügt ihm noch nicht. Er greift in sein Material ein mit einer Form, die durchaus unnatürlich ist: dem Dreieck. Ratio, Konstruktion, Menschenwerk ist das nötige Gegenwicht zur Natur in Hubers Werk. Dass für unsere Kultur hinter dem Dreieck immer das Symbol für die christliche Dreifaltigkeit, das Auge Gottes durchschimmert, ist nicht von der Hand zu weisen und für Hubert sicher wieder kein Zufall. Freilich inszeniert er das Dreieck genau so wenig bedeutungsschwanger wie alles andere: Predigen passt nicht zu seinem Naturell. Es dient ihm meist als Formel in seinen witzigen Akten. Das Dreieck auf der Spitze stehend vertritt glaubwürdig Brüste und Schamdreieck, ragt die Spitze nach oben, erkennt jeder problemlos das männliche Prinzip (um mich jugendfrei auszudrücken)

In meinen Augen sind in Hubert Hubers Holz- und Druckkunst zwei Fäden zu einem verflochten, der nun einen guten Halt gibt: Metaphysik und irdischer Humor. Ob das überhaupt möglich ist? Wer Augen hat, zu sehen, der sieht es. Und wers noch nicht sieht, der kann es von Huber lernen. 

 

"Burg" Burghausen 1994 Georg Eichinger

 

 

 

Achtung, Huber-Dreieck

PNP 20.7.2016 - Edith Rabenstein

 

Die Festspiele Europäische Wochen gratulieren Künstler Hubert Huber mit einer Schau auf Schloss Neuburg zum 60. Geburtstag

 

Nein, eine Retrospektive ist die Schau zum 60. Geburtstag des Künstlers Hubert Huber nicht geworden. Dazu ist er auch viel zu sehr in der Mitte seines Schaffens. Aber sie ist ein Querschnitt geworden, der sämtliche Arbeitsweisen des Fürstenzellers vor Augen führt. Zu seinem Jubiläum präsentieren das Kulturreferat des Landkreises Passau und die Festspiele Europäische Wochen den Konzeptkünstler mit rund 50 Werken in der Landkreisgalerie auf Schloss Neuburg unter dem Titel ".B.E" ("Sein").Sämtliche Werkstoffe, die Hubert Huber bearbeitet und bearbeitet hat, sind vertreten: Holz, Stahl, Glas, Papier, Fotografie und die neuen Medien, die der Künstler geschickt zu benutzen weiß.

 

Zwei Werkgruppen führen zum Ursprung Hubers, der ein Kind des Neuburger Waldes und Freund von Holz ist. Das sind nicht nur die "Kreuzwegstelen" von 2002, sondern auch die bearbeiteten Fotografiereihen "...stein...14", die sich ebenso auf den Neuburger Wald bezieht, und "... ich...04", die Waldgeflecht mit sattem Grün zeigt. Im Zentrum steht jeweils ein Dreieck − die Form ist Huber zum Konzentrat seiner bildhauerischen Arbeit mit Holz und seines formalen Gestaltens am Computer geworden. Die Reduktion auf die geometrische Grundform. Und doch ist erstaunlich, wie wandlungsfähig sie durch die mal mehr spielerische mal mehr logische Gestaltung durch Hubert Huber wird.

 

Das Spielerische zeigt er in seinem Projekt "... sau... 08" unter dem Titel "Schweinzeit": verwischte, bearbeitete Fotografie mit Rüssel, Schwanzerl und Ohr. Der strenge logische Aufbau ist zum Beispiel bei Arbeiten mit politischer Zielrichtung zu entdecken, wenn es um die Zerstörung der Erde oder die Atomproblematik geht.

 

In den Monotypien − eine große Werkgruppe in Hubers OEuevre − zeigt er sich als vielseitiger Gestalter: Mal ist das Huber-Dreieck beeinflusst von den Warnschildern, mal zeigt es sich als Ausrufezeichen, mal als Landkarte oder als feingliedriges poetisches Gebilde.

 

Wie eindringlich Reduktion wirken kann, ist an Hubert Hubers einfacher Krippe aus Stahl zu sehen, in derdas Jesuskind aus Glas angedeutet wird. Und eines darf natürlich in einer Huber-Ausstellung auch nicht fehlen: seine Projekte im öffentlichen Raum, die im Miniaturformat auf iPods abzurufen sind. Man kann es auch einfacher haben und tritt vor die Tür der Neuburg: Dort gibt es eine grüne Lichtinstallation, eine Hommage an den grünen Inn. 

Edith Rabenstein, 20.7.2016

 

 

 

Kulturpreis des Bezirks Niederbayern für Hubert Huber Bezirk Niederbayern vergibt erstmals Auszeichnung für kulturelle Verdienste

Pressemitteilung 26.7.2016 - Bezirk Niederbayern

 

BEZIRK NIEDERBAYERN – Pressestelle

Verantwortlich: Karin Stempfhuber, Pressesprecherin

Pressemitteilung

Landshut, 26.07.2016

 

Kulturpreis des Bezirks Niederbayern für Hubert Huber Bezirk Niederbayern vergibt erstmals Auszeichnung für kulturelle Verdienste

 

Hubert Huber erhält den Kulturpreis 2016 des Bezirks Niederbayern. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich gab den Preisträger im Rahmen der Bezirkstagssitzung am Dienstag, 26. Juli 2016, in Landshut-Schönbrunn bekannt. Den mit 6.000 Euro dotierten Kulturpreis wird Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich im Herbst dieses Jahres im Rahmen eines öffentlichen Festakts überreichen. Vorgestellt wurde in der Bezirkstagssitzung auch die Skulptur, mit der die niederbayerischen Kulturpreisträger ab diesem Jahr ausgezeichnet werden.

 

Der Bezirk Niederbayern hat den Kulturpreis erstmals in diesem Jahr ausgelobt. Hubert Huber, der im Raum Passau lebt, ist damit auch der erste Kulturpreisträger des Bezirks Niederbayerns. Der Bezirk verleiht den Kulturpreis für herausragende Leistungen auf kulturellem Gebiet.

 

Die Ausschreibung zum Kulturpreis des Bezirks Niederbayern war Ende Januar 2016 erfolgt. Adressaten der Ausschreibung waren die niederbayerischen Kommunen, Kultureinrichtungen und Bezirksräte. Aus über hundert eingegangenen Vorschlägen hatte das Kulturreferat des Bezirks Niederbayern nach festgelegten Vergaberichtlinien eine Vorauswahl von mehreren Kandidaten getroffen.

 

Der Ausschuss für Kultur-, Jugend- und Sportförderung des Bezirks Niederbayern hatte unter Vorsitz von Bezirkstagsvizepräsident Franz Schedlbauer in nichtöffentlicher Sitzung am Donnerstag, 21. Juli, den bildenden Künstler Hubert Huber als Träger des Kulturpreises 2016 ausgewählt.

 

„Hubert Huber hat sich durch seine vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten im Bereich der Kunst und durch sein künstlerisches Wirken große Anerkennung in ganz Niederbayern und darüber hinaus erworben. Er wirkt als „Lobbyist für die Kunst“. Dies wird mit dem Kulturpreis des Bezirks Niederbayern, der dieses Jahr zum ersten Mal verliehen wird, gewürdigt“, betonte Dr. Olaf Heinrich. „Durch sein hervorragendes künstlerisches Wirken und sowie durch seine vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten im Bereich hat sich Hubert Huber große Anerkennung in Niederbayern, aber auch in ganz Bayern und im benachbarten Ausland erworben. Bei seinen unzähligen Ausstellungen war es Hubert Huber stets ein Anliegen, nicht nur seine Kunstwerke zu präsentieren, sondern immer auch wieder Künstler aus dem Dreiländereck einzubinden und ihnen eine Plattform für ihre Kunst zu bieten. Er ist unermüdlich darin, Projekte grenzübergreifend anzulegen und auszurichten.“

Der gelernte Holzbildhauer Huber, der seit 1981 als freischaffender Künstler wirkt, vertritt seit rund dreißig Jahren die Interessen niederbayerischer Künstlerinnen und Künstler als erster Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern e.V.. Als Gründungsmitglied der Passauer „Produzentengalerie“ und Initiator des „Kulturmodell Bräugasse“ ebendort schuf er Präsentationsplattformen für regionale Künstler. Darüber hinaus war er maßgeblich an der Einrichtung des Kulturpreises „Junge Kunst“ beteiligt, der den künstlerischen Nachwuchs der Dreiländerregion fördert und heuer sein 20jähriges Jubiläum feiert. „Hubert Huber ist wahrlich ein Brückenbauer und ein Botschafter für die Kunst unserer Heimat“, so Dr. Olaf Heinrich.

 

Vorstellung „Kulturpreis“-Skulptur

Die „Kulturpreis“-Skulptur, die Hubert Huber zusammen mit dem Geldpreis erhalten wird, stammt von Paul Karl, der diese bei der Bezirkstagsitzung ebenfalls vorstellte. Paul Karl ist Absolvent der Keramikschule Landshut. Zusammen mit dieser hatte der Bezirk Niederbayern einen Wettbewerb ausgelobt, um eine von Künstlerhand gefertigte „Kulturpreis“-Skulptur zu erhalten. Im Rahmen des Wettbewerbs an der Keramikschule Landshut hatten Schüler der Meisterklasse mehrere Skulpturen entworfen. Aus sechs eingereichten Arbeiten wurde im April von einer fünfköpfigen Fachjury die Sieger-Skulptur ermittelt. Paul Karl hatte sich mit seiner Arbeit klar und einstimmig durchgesetzt. Er hatte sich mit klassischen Ziegelformaten auseinandergesetzt und darauf basierend einen „Kulturformat-Ziegel“ geformt.

 

Paul Karl begründet seine Idee und die Umsetzung der Sieger-Skulptur folgendermaßen: „Kultur ist die Basis für unsere Gesellschaft und ihre zahlreichen Facetten sind in Kombination die Bausteine dieses Fundaments.“ Der von ihm geschaffene „Kulturformat-Ziegel“ sieht eine Verankerung mit weiteren Steinen vor. Damit ist – so Paul Karl – „das Fundament verzahnt und deswegen besonders stabil. Die Trophäe hat Gewicht und verspricht der Person, die sie in Händen hält, ein Gefühl von Wertigkeit.“

-cll/ks-

 

 

 

Ausstellung zum 60. Geburtstag des Konzeptkünstlers Hubert Huber in der Landkreisgalerie auf Schloss Neuburg

PNP 5.7.2016 - Dr. Edith Rabenstein

 

Kunst, die aus dem Rahmen fällt

05.07.2016

Ausstellung zum 60. Geburtstag des Konzeptkünstlers Hubert Huber in der Landkreisgalerie auf Schloss Neuburg

− Über 140 Gäste bei der Vernissage von Edith Rabenstein/PNP 5.7.2016

Neuburg am Inn. 

"Macht’s nicht so viel Wirbel um mich", zitierte stellvertretender Landrat Klaus Jeggle den Künstler Hubert Huber.

 

Wirbel war aber schon angebracht: Zu seinem 60. Geburtstag zeigen das Kulturreferat des Landkreises Passau in Kooperation mit den Europäischen Wochen Passau die Ausstellung ".B.E.". Mehr als 140 Gäste sind zur Vernissage am Sonntagvormittag in die Neuburg gekommen, um den Künstler zu feiern und seine Arbeiten zu sehen.

In seiner Begrüßung betonte Jeggle, dass Huber nicht nur ein Künstler sei, der − wie der arme Poet − im Dachstüberl seine Projekte entwickle, sondern seine Arbeiten und die anderer Künstler in die Öffentlichkeit trage. "Hubert Huber steht für hervorragende Netzwerkarbeit und für Kunst, die aus dem Rahmen fällt", sagte Klaus Jeggle, der in Stellvertretung von Landrat Franz Meyer gekommen war. Hubert Huber ist auch Kulturpreisträger des Landkreises.

Er betonte auch, dass mit dieser letzten Ausstellungseröffnung in der Landkreisgalerie die Ägide von Dr. Wilfried Hartleb in seiner Funktion als Kulturreferent zu Ende gehe. "Seine langjährige hingebungsvolle Arbeit, sein hochwertiges Engagement haben die Kultur im Landkreis vorangebracht." Minutenlanger starker Applaus bekräftigte diese Aussage.

EW-Intendant Peter Baumgardt zeigte sich erfreut, dass die Europäischen Wochen mit zwölf Festspielorten im Landkreis vertreten sind. "Die Neuburg ist mehr als Festspielort, sie ist Kunstort", so der künstlerische Leiter des Festivals. Er lobte den lebendigen Austausch und die stete Abstimmung mit Dr. Hartleb. "Es ist eine wirklich hervorragende Zusammenarbeit. An Hubert Huber gewandt sprach Peter Baumgardt von dem "Tausendsassa, Impulsgeber, Partner und Freund."

Statt einer Laudatio formierten sich Peter Baumgardt, Dr. Wilfried Hartleb, Künstler und Kurator Héctor Solari und Klaus Jeggle um Hubert Huber und befragten ihn zu Werdegang und Arbeiten. Der Künstler erzählte von seiner Beratertätigkeit beim Landkreis und der Einrichtung der Landkreisgalerie, an der er maßgeblich beteiligt war. "Die Künstler sagten zu mir: Die Burg darf für Künstler nicht verloren gehen. Mach was!" Diesen Auftrag habe er ernst genommen.

Konzeptkünstler Hubert Huber. Dr. Wilfried Hartleb fragte zu den Ausstellungswerken, und Hubert Huber ging auf das Thema der Landesausstellung "Bier in Bayern" ein und erzählte von seinem Bier-Projekt für Kloster Andechs, das seit 15 Jahren läuft. Da für ihn Bier und Schweinsbraten zusammengehören, beschäftigte er sich auch mit dem Schwein. Sein Ding sei es immer wieder, spartenübergreifende Projekte zu machen und andere Künstler ins Boot zu holen.

Künstler und Kurator Héctor Solari wollte wissen, für welche Sprache er sich bei welchem Konzept entscheide. Dazu meinte Huber, dass er das zunächst nicht plane, sondern es sich ergebe. "Ich habe erst eine Idee, dann reift die, das dauert manchmal lange, und dann kommt das Medium zur Umsetzung."

Begonnen hat er als Holzbildhauer, hat aber rasch gemerkt, dass ihm das nicht reicht. Und doch finde er dazu immer wieder auch zurück, so sei zum Beispiel eine seiner letzten Arbeiten das Kreuz für das neue Diözesanarchiv oder auch eine Krippe, die eine Skulptur geworden ist und die er zusammen mit anderen Künstlern verwirklicht habe.

Dr. Hartleb stellte die Frage, die wahrscheinlich die meisten im Publikum beantwortet wissen wollten: Warum gerade das Dreieck zu einem Signet geworden ist. "Das kam durch die Reduktion. Reduziert man ein Gesicht oder einen Torso, erhält man ein perfektes Dreieck." Aber das Dreieck allein werde ihm langweilig. Es gehe um die Weiterentwicklung.

Davon war in der Ausstellung viel zu sehen. Und: Huber nimmt auf die Burg mit dem Bild von Wolf Huber (Donauschule) genauso Bezug wie zum grünen Inn, der vorbeifließt. Es gibt eine spektakuläre Lichtinstallation.

Unter den Gästen wurden unter anderem gesehen: die Bürgermeister Wolfgang Lindmeier (Neuburg am Inn) und Alois Stadler (Wernstein), EW-Vorstandsvorsitzende Rosemarie Weber, MMK-Leiterin Dr. Josephine Gabler, Diözesanarchivdirektor Dr. Herbert Wurster, Kunstvereinsvizepräsident Dietmar Klinger, die Künstler Michael Lauss, Rudolf Klaffenböck, Verena Schönhofer, Regina Schmidtmayer, Wolfgang Kretzerund Christian Zeitler sowie Aphoristiker und Autor Hans Horst Skupy. Die Ausstellung geht bis 11. September und ist geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Am 10. September wird ein Katalog dazu präsentiert. 

In der Diskussion (v. l.) Héctor Solari, Dr. Wilfried Hartleb, Hubert Huber, Klaus Jeggle und Peter Baumgardt.

 

 

 

Künstler, Funktionär, Netzwerker und Visionär

PNP 14.5.2016 - Dr. Edith Rabenstein

 

14.05.2016

Künstler, Funktionär, Netzwerker und Visionär

 

Weit über 500 Ausstellungen von Prachatitz bis Washington: Der Fürstenzeller Hubert Huber wird am 17. Mai 60 Jahre alt − Ausstellung ab 3. Juli auf Neuburg

 

Die Beschäftigung mit Holz löste den Wunsch aus, Künstler zu werden: Hubert Huber.

 

Wer ein Dreieck sieht, denkt an Hubert Huber. Diese von ihm immer wieder variierte und anders verarbeitete geometrische Figur ist zum Kennzeichen der formalen Sprache des Fürstenzeller Künstlers geworden, der am kommenden Dienstag seinen 60. Geburtstag feiert. Wer Hubert Huber sieht, der denkt, aber nicht nur an den Künstler, sondern auch den Kunstfunktionär, der durch seine Umtriebigkeit und seinen Fleiß den zeitgenössischen Künstlern der Region eine hervorragende Plattform verschaffte, nicht nur in der Region, sondern in ganz Europa.

 

Aufgewachsen im Neuburger Wald

 

Vorstellen konnte er sich das alles als Bub aus dem Süden des Landkreises Passau freilich nicht. Als Kind war seine Welt der Wald und sein Element das Holz. Er liebte es, mit dem Vater im Wald zu sein, im Sägewerk Rehschaln oder später im Holzhandel in Haarschedl. Der Neuburger Wald war sein Zuhause.

 

Nach der Volksschule in Rehschaln ging er ins Maristengymnasium und die Realschule Bad Griesbach − und durfte im Kunstunterricht schnitzen. Das prägte seinen Weg. Heute findet er es eher belustigend, dass der Entschluss, künstlerisch zu arbeiten, ihm bei der Bundeswehr kam. Drei Jahre lang machte er eine handwerkliche Lehre als Tischler und bei Kurt Kupka eine Lehre als Holzbildhauer in Ortenburg. Rasch wusste er: "Als klassischer Bildhauer werde ich nicht weitermachen." 25 Jahre alt war er damals. Der Gedanke an die Akademie kam ihm in den Sinn, wurde aber verworfen: "Ich hätte es mir nicht leisten können mit junger Familie." Er hatte 1979 Hildegard geheiratet, und Sohn Bastian kam zur Welt, 1992 dann Tochter Constanze. Seit 1981 arbeitet er freischaffend. Die Fortbildung war aber nicht vergessen. Er erhielt 1988 das Stipendium Civitella D’Agliana in Italien. Und er besuchte Ausstellungen, wo immer er gerade war. Die Schule des Sehens ist ihm bis heute wichtig.

 

Eines wurde dem jungen, selbstständigen Künstler rasch klar: Keiner konnte ihm sagen, wie man Künstler wird, welches Rüstzeug man dafür braucht, damit sich ein (Über)Leben oder gar ein Erfolg einstellt. In einer Statistik las Huber, dass nur zwei Prozent der Künstler in Deutschland von ihrer Arbeit leben können. Das war die Geburtsstunde des Funktionärs Hubert Huber. In einer Zeitungsanzeige rief Jochen Schimmelpenning dazu auf, einen Bundesverband Bildender Künstler für Niederbayern zu gründen. Sieben Leute waren dafür notwendig. Hubers erste Funktion war stellvertretender Schatzmeister. Fortan beschäftigte er sich mit Fragen wie Urheberrecht, Künstlersozialkasse, Ausstellungsvergütung und Organisation. "Mir sagte damals keiner, dass man sich am Finanzamt anmelden muss. . ."

 

Vor seiner Haustüre in Fürstenzell steht noch eines seiner älteren Werke, aus Holz und Stahl. Die Dreieckform ist unverkennbar, ebenso bei einigen Skulpturen im Garten. Wann ist die Idee für das Dreieck gekommen? Hubert Huber weiß es gar nicht genau, aber es war früh. Die Form hat sich entwickelt, weil er die menschliche Figur immer mehr reduzieren wollte. Die Einfachheit des Tetraeders, die rasche Erkennbarkeit des Signets und die Variationsmöglichkeit. Das alles mögen wohl auch Gründe gewesen sein. So vermag man in seinen Monotypien und Installationen mal das Gerät der Geometrie, mal das Auge Gottes oder auch das Gefahrenschild erkennen. Ja auch das Verkehrsschild hat er in einer eigenen Ausstellung zum Thema gemacht. Das Polygon ist sein Thema geblieben, auch wenn er sich von einigen Werkstoffen verabschiedet hat. Hubert Huber sagte Holz, Stahl, Granit, Glas und auch dem Papier nicht ganz Ade; er arbeitet heute hauptsächlich als Konzeptkünstler und entwickelt seine Arbeiten unterm Dach am Computer. Das ist heute seine Werkstatt. Der Raum und die Situation bestimmen seine Projekte. Ein sehr bekanntes, an dem Tausende täglich vorbei fahren, ist das rote Lichtprojekt der Sparkasse Passau in der Nikolastraße. Besonders auffällig war das spektakuläre Lichtprojekt, das er bei den Europäischen Wochen 2014 verwirklichte: "BLAU…nau Reloaded", das die Dreiflüssestadt selbst zum Ausstellungsobjekt machte, indem der Künstler das Stephanstürmchen, den Wittelsbacherbrunnen am Residenzplatz, den Treppenaufgang am Landratsamt, die Loggia im Rathaus, das Donautürmchen in der Ilzstadt und den Hackl-berger Fürstenbau in blaues Licht tauchte. Auch heuer wird es mit den Festspielen und dem Kulturreferat des Landkreises eine Zusammenarbeit geben: Die Geburtstagsausstellung unter dem Titel ".B.E." wird ab 3. Juli auf der Neuburg zu sehen sein.

Hubert Huber hat weit über 500 Ausstellungen alleine und mit anderen Künstlern präsentiert. Von Udine bis Prachatitz, von Malaga bis Washington. Tolle Kataloge und Internet-Projekte begleiten die Ausstellungen. Hubert Huber setzt auf die neuen Medien, verwirklicht mit diesen viele Arbeiten und errichtete eine Künstlerdatenbank. Und: Er ist ein großer Netzwerker, sei es als Erster Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern seit 1987 oder in seiner Zeit als bundesweiter Vorsitzender (von 1990 bis 1994).

Am liebsten beteiligt er andere Künstler. So hat er eine Vielzahl von Symposien und Gemeinschaftsprojekten angestoßen. Das wichtigste ist das Kulturmodell in der Bräugasse, das ein weltweit einmaliges Arbeits- und Ausstellungshaus ist, und demnächst nach der Hochwassersanierung wieder eröffnet werden soll.

Am wichtigsten ist Hubert Huber die grenzüberschreitende Arbeit, sei es durch Zusammenarbeit mit den Künstlern der Partnerstädte oder des Dreiländerecks. Denn da war Hubert Huber schon von Beginn an Visionär. "Künstler fragen nicht nach Sprache, Herkunft oder Farbe. Sie wollen zusammen arbeiten und zusammen ausstellen." Das hat er früh erkannt und viele Initiativen entwickelt, zum Beispiel "10 Bildhauer aus Bayern, Türingen, Tschechien und Slowakei" in Schmalkalden, die Grenzgänger-Symposien in Untergriesbach und den Wettbewerb "Junge Kunst" zusammen mit der Sparkasse Passau, der Künstler aus dem Dreiländereck fördert. Ins Schwärmen gerät er über viele Kollegen aus den ehemaligen Ostblockländern. "Da können wir viel lernen".

 

Geehrt wurde Hubert Huber vielfach: Erwähnt seien hier der Kulturpreis des Landkreises Passau 2001, die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich 2005 und der Preis Brückenbauer/Stavitel mostů des Bavaria Bohemia 2015.

 

Und: Der Künstler hat immer die Jugend im Blick, nicht erst seit er das Familienleben mit Enkel Felix genießt. Er erarbeitete unzählige Schulprojekte mit Kindern, Lehrern und Eltern. Dank seiner Initiative wurde Passau-Haidenhof die erste Kunst-Grundschule Bayerns.

Edith Rabenstein/PNP 14.5.2016

 

 

 

Künstler, Funktionär, Netzwerker und Visionär: Hubert Huber wird 60

14.5.2016 PNP-Feuilleton/Edith Rabenstein

 

Künstler, Funktionär, Netzwerker und Visionär

 

Weit über 400 Ausstellungen von Prachatitz bis Washington: Der Fürstenzeller Hubert Huber wird am 17. Mai 60 Jahre alt − Ausstellung ab 3. Juli auf Neuburg 

 

Wer ein Dreieck sieht, denkt an Hubert Huber. Diese von ihm immer wieder variierte und anders verarbeitete geometrische Figur ist zum Kennzeichen der formalen Sprache des Fürstenzeller Künstlers geworden, der am kommenden Dienstag seinen 60. Geburtstag feiert. Wer Hubert Huber sieht, der denkt, aber nicht nur an den Künstler, sondern auch den Kunstfunktionär, der durch seine Umtriebigkeit und seinen Fleiß den zeitgenössischen Künstlern der Region eine hervorragende Plattform verschaffte, nicht nur in der Region, sondern in ganz Europa.

 

Aufgewachsen im Neuburger Wald

 

Vorstellen konnte er sich das alles als Bub aus dem Süden des Landkreises Passau freilich nicht. Als Kind war seine Welt der Wald und sein Element das Holz. Er liebte es, mit dem Vater im Wald zu sein, im Sägewerk Rehschaln oder später im Holzhandel in Haarschedl. Der Neuburger Wald war sein Zuhause.

Nach der Volksschule in Rehschaln ging er ins Maristengymnasium in Fürstenzell und die Realschule Bad Griesbach − und durfte im Kunstunterricht schnitzen. Das prägte seinen Weg. Heute findet er es eher belustigend, dass der Entschluss, künstlerisch zu arbeiten, ihm bei der Bundeswehr kam. Drei Jahre lang machte er eine handwerkliche Lehre als Holzbildhauer bei Kurt Kupka in Ortenburg. Rasch wusste er: „Als klassischer Bildhauer werde ich nicht weitermachen.“ 25 Jahre alt war er damals. Der Gedanke an die Akademie kam ihm in den Sinn, wurde aber verworfen: „Ich hätte es mir nicht leisten können mit junger Familie.“ Er hatte 1979 Hildegard geheiratet, und Sohn Bastian kam zur Welt. Seit 1981 arbeitet er freischaffend. Die Fortbildung war aber nicht vergessen. Er erhielt 1988 das Stipendium Civitella D’Agliana in Italien. Und er besuchte Ausstellungen, wo immer er gerade war. Die Schule des Sehens ist ihm bis heute wichtig. 

Eines wurde dem jungen, selbstständigen Künstler rasch klar: Keiner konnte ihm sagen, wie man Künstler wird, welches Rüstzeug man dafür braucht, damit sich ein (Über)Leben oder gar ein Erfolg einstellt. In einer Statistik las Huber, dass nur zwei Prozent der Künstler in Deutschland von ihrer Arbeit leben können. Das war die Geburtsstunde des Funktionärs Hubert Huber. In einer Zeitungsanzeige rief Jochen Schimmelpenning dazu auf, einen Bundesverband Bildender Künstler für Niederbayern zu gründen. Sieben Leute waren dafür notwendig. Hubers erste Funktion war stellvertretender Schatzmeister. Fortan beschäftigte er sich mit Fragen wie Urheberrecht, Künstlersozialkasse, Ausstellungsvergütung und Organisation. „Mir sagte damals keiner, dass man sich am Finanzamt anmelden muss . . .“

Vor seiner Haustüre in Fürstenzell steht noch eines seiner älteren Werke, aus Holz und Stahl. Die Dreieckform ist unverkennbar, ebenso bei einigen Skulpturen im Garten. 

Wann ist die Idee für das Dreieck gekommen? Hubert Huber weiß es gar nicht genau, aber es war früh. Die Form hat sich entwickelt, weil er die menschliche Figur immer mehr reduzieren wollte. Die Einfachheit des Tetraeders, die rasche Erkennbarkeit des Signets und die Variationsmöglichkeit. Das alles mögen wohl auch Gründe gewesen sein. So vermag man in seinen Monotypien und Installationen mal das Gerät der Geometrie, mal das Auge Gottes oder auch das Gefahrenschild zu erkennen. Ja auch das Verkehrsschild hat er in einer eigenen Ausstellung zum Thema gemacht. Das Polygon ist sein Thema geblieben, auch wenn er sich von einigen Werkstoffen verabschiedet hat. 

Hubert Huber sagt dem Holz, dem Stahl, Granit, Glas und auch dem Papier nicht ganz Ade; aber er arbeitet heute hauptsächlich als Konzeptkünstler und entwickelt seine Arbeiten unterm Dach am Computer. Das ist heute seine Werkstatt. Der Raum und die Situation bestimmen seine Projekte. Ein sehr bekanntes, an dem Tausende täglich vorbei fahren, ist das rote Lichtprojekt der Sparkasse Passau in der Nikolastraße. Besonders auffällig war das spektakuläre Lichtprojekt, das er bei den Europäischen Wochen 2014 verwirklichte: „BLAU…nau Reloaded“, das die Dreiflüssestadt selbst zum Ausstellungsobjekt machte, indem der Künstler das Stephanstürmchen, den Wittelsbacherbrunnen am Residenzplatz, den Treppenaufgang am Landratsamt, die Loggia im Rathaus, das Donautürmchen in der Ilzstadt, und den Hacklberger Fürstenbau in blaues Licht tauchte. Auch hier wird es mit den Festspielen und dem Kulturreferat des Landkreises eine Zusammenarbeit geben: Die Geburtstagsausstellung unter dem Titel „.B.E.“ wird ab 3. Juli in der Landkreisgalerie auf der Neuburg zu sehen sein. 

Hubert Huber hat weit über 400 (am Ende des Jahres werden es ca. 500) Ausstellungen alleine und mit anderen Künstlern präsentiert. Von Udine bis Prachatitz, von Malaga bis Washington. Tolle Kataloge und Internet-Projekte begleiten die Ausstellungen. Hubert Huber setzt auf die neuen Medien, verwirklicht mit diesen viele Arbeiten und errichtete eine Künstlerdatenbank. Und: Er ist ein großer Netzwerker, sei es als Erster Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern seit 1987 oder in seiner Zeit als bundesweiter Vorsitzender (von 1990 bis 1994). 

Am liebsten beteiligt er andere Künstler. So hat er eine Vielzahl von Symposien und Gemeinschaftsprojekten angestoßen. Das wichtigste ist das Kulturmodell in der Bräugasse, das ein weltweit einmaliges Arbeits- und Ausstellungshaus ist, und demnächst nach der Hochwassersanierung wieder eröffnet werden soll.

Am wichtigsten ist Hubert Huber die grenzüberschreitende Arbeit, sei es durch Zusammenarbeit mit den Künstlern der Partnerstädte oder des Dreiländerecks. Denn da war Hubert Huber schon von Beginn an Visionär. „Künstler fragen nicht nach Sprache, Herkunft oder Farbe. Sie wollen zusammen arbeiten und zusammen ausstellen.“ Das hat er früh erkannt und viele Initiativen entwickelt, zum Beispiel „10 Bildhauer aus Bayern, Thüringen, Tschechien und Slowakei“ in Schmalkalden, Passau, Klenova und Trnava, die Grenzgänger-Symposien von Untergriesbach bis Plasy und den Wettbewerb „Junge Kunst“ zusammen mit der Sparkasse Passau, der Künstler aus dem Dreiländereck fördert. Ins Schwärmen gerät er über viele Kollegen aus den ehemaligen Ostblockländern. „Da können wir viel lernen“.

Geehrt wurde Hubert Huber vielfach: Erwähnt seien hier der Kulturpreis des Landkreises Passau 2001, die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich 2005 und der Preis Brückenbauer/Stavitel mostů des Bavaria Bohemia 2015.

Und: Der Künstler hat immer die Jugend im Blick, nicht erst seit er das Familienleben mit Enkel Felix genießt. Er erarbeitete unzählige Schulprojekte mit Kindern, Lehrern und Eltern. Dank seiner Initiative wurde Passau Haidenhof die erste Kunst-Grundschule Bayerns.

14.5.2016 PNP/Edith Rabenstein

 

 

 

Achtung, Dreieck!

13.1.2015/PNP Gabriele Blachnik

 

Hubert Huber eröffnete das Ausstellungsjahr in der Produzentengalerie

 

Jeder Verkehrsteilnehmer hat es in seiner Wahrnehmung abgespeichert: ein weißes Dreieck mit roter Umrandung, das signalisiert: hier musst du Obacht geben! Dieses Verkehrsschild, im Amtsdeutsch Gefahrenzeichen genannt, hat Hubert Huber zur Plattform einer ganzen Ausstellung gemacht, die er in der Produzentengalerie zeigt. Damit eröffnet der Konzeptkünstler, der vom Dreieck als künstlerisches Grundelement nicht mehr zu trennen ist, das dortige Ausstellungsjahr. Es markiert zugleich das 25-jährige Jubiläum der von acht Künstlern betriebenen Galerie in der Passauer Altstadt.

Auf die unterschiedlichen Bedeutungen von Achtung verwies Hubert Huber in seiner kleinen Ansprache. Die Skulptur "Achtung", ein mit spiegelnder Metallfolie bezogenes Schild, sei für den Auftritt des Landkreises Passau auf der Landesgartenschau in Deggendorf entstanden. Zum Thema "Callot-Figuren", den barocken Steinfiguren, die u. a. auf Schloss Neuburg zu sehen sind, wollte er damit verbildlichen, wie diese närrischen Gestalten "den Herrschenden den Spiegel vorgehalten haben", so Huber. Die ausgestellten Bilder mit dem Achtungzeichen seien hingegen im "Temporären Atelierhaus" in Kohlbruck entstanden, das bis dato das hochwassergeschädigte Kulturmodell ersetzt. Jeweils drei dreieckige Metallplatten habe er bearbeitet und auf Papier gedruckt, sodass insgesamt 21 Monotypien entstanden sind. Im Serientitel "ach" schwingt Niedergeschlagenheit mit, doch kippe der Titel leicht zu "Achtung" um, meinte Huber. "Ich werde auch im neuen Jahr wieder Aufmerksamkeit erregen", schaute der vielseitig engagierte Künstler aus Fürstenzell voraus.

Ein großes Publikum, darunter namhafte Vertreter aus dem Kunst- und Kulturbetrieb von Stadt und Landkreis, zollte Hubert Huber Achtung für seine vielen Verdienste um die Kunst in der Region. "Der Landkreis ist stolz, dass wir ihn haben", sagte Stellvertretender Landrat Klaus Jeggle. Er würdigte sein Engagement für junge Menschen, etwa in zahlreichen Schulprojekten, und auf Verbandsebene als Vorsitzender des BBK Niederbayern. Unter Anwesenheit des Kulturreferenten Wilfried Hartleb wies Jeggle darauf hin, dass der erste Band der Schriftenreihe "Kultur im Landkreis Passau" der Produzentengalerie gewidmet war.

Bis 1. Februar in der Produzentengalerie Passau, Ecke Bräugasse – Jesuitengasse 9, geöffnet Do bis So 15 – 17 Uhr.

 

 

 

Künstler aus der ganzen Welt finden Passau toll

PNP 5.1.2013/Julia Ried

 

"Künstler aus der ganzen Welt finden Passau toll"

 

Hubert Huber lebt gerne in der Region und gestaltet sie auch. Für das Lichtkonzept der Sparkasse Passau, deren Turm rot leuchtet, ist er verantwortlich. 

 

Herr Huber, Sie sagen von sich selbst, an sieben Tagen die Woche etliche Stunden zu arbeiten. Auch an Weihnachten und Silvester?

 

Hubert Huber: Ich arbeite 365 Tage. Aber das gehört in diesem Beruf dazu. Wenn man Künstler ist, hat man nie frei − irgendetwas schwebt einem immer vor.

 

Welche Bedeutung hat der Jahreswechsel für Sie?

 

Huber: Künstlerisch keine. Ich plane jetzt schon für 2015. Natürlich hat er eine Bedeutung für meine Aufgaben als Unternehmer und Funktionär, weil zu diesem Zeitpunkt viel Bürokratisches abgewickelt werden muss.

 

Was war 2012 für ein Jahr für die Kunst in der Region?

 

Huber: Ich glaube, ein sehr gutes. Gefühlsmäßig würde ich sagen, es war noch nie so viel los. Auch für mich persönlich war es sehr erfolgreich. Ich habe sehr viel umsetzen können.

 

Woran machen Sie fest, dass 2012 ein gutes Kunstjahr war?

 

Huber: Es war eigentlich fast täglich irgendetwas los, was mit bildender Kunst zu tun hat. Es ist unvorstellbar − schön. Wenn ich an die 80er zurückdenke: Damals gab es vielleicht drei, vier, fünf Kulturschaffende beziehungsweise kulturelle Einrichtungen, mittlerweile gibt es, glaube ich, mehr als 100. Künstler aus der ganzen Welt finden ganz toll, was in Passau geboten ist.

 

Warum werden die Passauer beneidet?

 

Huber: Als Künstler meint man immer, man muss in die Zentren gehen. Aber es ist eindeutig erwiesen, dass man in der Region viel leichter etwas verkaufen kann, weil man viel einfacher an die Kunden rankommt.

 

"Es ist heute schwierig viel zu verkaufen, weil die Vielfalt so groß ist" Gibt es noch andere Aspekte, von denen Künstler in Passau profitieren − Stichwort Lebenshaltungskosten?

 

Huber: Ganz klar profitieren die Künstler davon. In der sogenannten Provinz kann man sich auch ein Atelier oder einen Lagerraum viel leichter leisten. Es gibt noch weitere Vorteile: Wenn man etwas auf die Beine stellen will, bekommt man viel schneller den Ansprechpartner. Wenn Sie in einem Zentrum in ein Kulturreferat gehen und sagen, Sie möchten eine Ausstellung machen, laufen Sie gegen Wände. Bei uns schaffen Sie innerhalb einer Woche alles.

 

Fehlt es weitab von der Kunst- und Kulturszene der Großstädte nicht an Inspiration?

 

Huber: Das glaube ich heutzutage nicht. Jeder hat die Chance, jederzeit überall hinzukommen. Ich war viel in der Welt unterwegs − und habe keinen beneidet. Ich habe Künstler in New York besucht, die da ein Stipendium hatten − arme Hunde. Einer hat gemeint, wenn er dann zurückkommt nach Deutschland, ist er der Größte. Nichts ist er. Das interessiert doch keinen Menschen. Sie sagen also: Die Provinz ist ein Paradies für Künstler. Motiviert das junge Künstler aus der Region, etwa nach einer Ausbildung an der Akademie wieder zurückzukommen? Huber: Eher nicht. Die haben sich während der Studienzeit im Zentrum zurechtgefunden und bleiben dann. Das ist schon ein bisschen ein Problem. Das mit der Rückkehr funktioniert schon eher, wenn der Kontakt zu den Eltern noch eng ist oder die Kinder später sogar das Haus bekommen.

 

Wie kam es dazu, dass sich in Passau so eine lebendige Kunstszene entwickelt hat?

 

Huber: Vieles hat vor mehr als 20 Jahren begonnen. Da gab es einmal eine Versammlung, in der die Kulturschaffenden viele Dinge von der Stadt Passau gefordert haben. Daraufhin hat sich viel entwickelt. Passau hat sich zum Beispiel entschieden, ein Kulturreferat einzurichten − das ist schon einmal eine Basis. Das ist eigentlich sehr positiv, dass sich so eine kleine Stadt mit 50 000 Einwohnern für so etwas entscheidet. Damit haben die Kulturschaffenden Ansprechpartner. Wir haben damals außerdem zusätzlich zum Kunstverein Passau einige Einrichtungen für Kulturschaffende auf die Beine gestellt wie das Künstlerhaus Kulturmodell. Das Museum Moderner Kunst ist damals entstanden, die Produzentengalerie und "Kunst in der Höllgasse".

 

Gab es auch Impulse von außen?

 

Huber: Die Entwicklung hat sicher auch etwas mit der Gründung der Uni zu tun. Plötzlich waren viele junge Leute da und damit ein ganz anderer Geist in Passau. Auch die Grenzöffnungen spielten eine Rolle. Heute stellen wir in Tschechien und Österreich aus und die Künstler aus den Nachbarländern bei uns. Das macht schon Spaß und es sind auch viele Freundschaften entstanden. Die Kultur ist der Politik in Sachen grenzüberschreitende Zusammenarbeit weit voraus. Zudem hat sich der Tourismus stark entwickelt, das ist auch für Künstler interessant.

 

Die hiesige Kunstszene ist also quicklebendig. Doch findet die Kunst auch ihren Weg in die Wohnzimmer?

 

Huber: Man muss wissen, dass in demokratischen Ländern durchschnittlich zwei Prozent der Künstler von ihrer Arbeit leben können und sich zwei Prozent der Bevölkerung für zeitgenössische Kunst interessieren. Als es nur vier, fünf Künstler gegeben hat, konnten diese besser davon leben. Heute haben wir mehr als 100 und eine vergleichbare Einwohnerzahl. Von den 10 000 Studenten kauft so gut wie keiner was. Die großen Firmen, die oft kontinuierliche Unterstützer der Kultur sind, haben meistens ihren Hauptsitz nicht hier. Ich bin ja ein großer Verfechter der Vielfalt − aber sie erschwert es den Künstlern natürlich, gut von ihrem Beruf leben zu können. Daran könnte man noch arbeiten. Wir haben immer wieder Anstöße gemacht, indem wir zum Beispiel die Stadt gebeten haben, wenn sie Geschenke kauft, soll sie sich doch bei ihren Kulturschaffenden umschauen. Das passiert natürlich auch. Ich bin außerdem dabei, ein Modell zur Vernetzung von Kunst und Wirtschaft zu entwickeln.

 

Bringen Veranstaltungen wie die Kunstnacht, die es seit paar Jahren in Passau gibt, den Künstlern Geld?

 

Huber: Absolut. Bei der Kunstnacht ermitteln wir das nicht, aber zum Beispiel bei offenen Ateliers tun wir das. Auch in der Produzentengalerie haben wir immer wieder etwas verkauft und zwar an Leute, die uns vorher nicht gekannt hatten.

 

Wer kauft in Passau Kunst − abgesehen von Firmen?

 

Huber: Nicht nur Reiche. Das geht querbeet durch die sozialen Schichten. Bei uns in Niederbayern ist die Kunst auch sehr preiswert. In den Großstädten gibt es viele Galerien − wenn ein Künstler von einer Galerie vertreten wird, ist der Preis einfach 50 Prozent höher. Bei uns sind die meisten Künstler Direktvermarkter.

 

Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, bis Sie von Ihrer Kunst allein leben konnten?

 

Huber: Man sagt, wenn ein Künstler 20 Jahre durchhält, dann bekommt er etwas zurück. Bei mir ist das so. Mein Geschäftsmodell funktioniert. Heute bin ich auch Berater für Kunst, wofür es ab und zu Geld gibt, und sitze in Jurys, wofür ich auch bezahlt werde. Früher hatte ich Nebentätigkeiten, die mit Kunst nichts zu tun hatten. Ich habe zum Beispiel als Hilfskraft in einer Gärtnerei gearbeitet und in einer Holzhandlung, später habe ich Innenausbau gemacht. Das war kein Problem. Ich kann mit der Motorsäge arbeiten, ich kann Stapler fahren, ich kann Lastwagen fahren, ich bin handwerklich sehr geschickt. Bei all meinen Tätigkeiten wurde und werde ich von meiner Familie, besonders von meiner Frau, unterstützt.

 

Sie haben Ihre Laufbahn als Künstler mit einer Ausbildung als Holzbildhauer begonnen. Wie sind Sie auf diesen eher ungewöhnlichen Ausbildungsberuf gekommen?

 

Huber: Ich war zwei Jahre bei der Bundeswehr als Ausbilder. Da habe ich gesehen, dass das auf keinen Fall mein Weg ist und habe mich entschieden, noch eine Lehre zu machen. Ich habe in der Schule schon immer gern geschnitzt, bin in einem Sägewerk aufgewachsen und wollte einfach etwas mit Holz machen. Der Werkstoff hat mich immer schon fasziniert. Ich hatte dann die Entscheidung zwischen den zwei Ausbildungen Schreiner und Holzbildhauer − und ich wäre sicher kein normaler Schreiner geworden, sondern einer, der sehr individuell arbeitet. Doch dann habe ich die Lehrstelle als Holzbildhauer bei Kurt Kupka bekommen. Während der Ausbildung habe ich gesehen, dass das Kunsthandwerk auch kein Boden ist. Darum habe ich mich entschieden, selbstständig als Künstler zu arbeiten.

 

Ihr Markenzeichen ist das Dreieck. Es drängt sich der Gedanke auf, dass es vom "Dreiländereck" inspiriert ist. Ist da etwas dran?

 

Huber: (lacht). Nein. Das kommt eigentlich von der Reduktion her. Ich habe mich relativ schnell entschlossen, reduziert zu arbeiten, also mit möglichst wenig etwas auszudrücken. Die Form des Dreiecks hat sich daraus ergeben. Seitdem lässt es mich nicht mehr los. Das muss auch nicht für immer sein. Doch mir fällt tagtäglich etwas dazu ein. Es ist auch nicht immer dabei, bei meinen Lichtprojekten ist es natürlich nicht so entscheidend, auch bei Videos nicht. Witzigerweise werde ich mittlerweile schon angesprochen, wenn es nicht dabei ist oder man es nicht gleich sieht.

 

"Wenn Sie zu mir kommen, sehen Sie nicht lauter Hubert Hubers" Hängt oder steht bei Ihnen daheim Kunst von Kollegen?

 

Huber: Ja, ich sammle alles Mögliche. Weil ich ja Künstler aus der ganzen Welt kennenlerne und dann wird getauscht. Ich habe zum Beispiel einen Reipka (Deutschland), einen Jankovic (Slowakei) oder einen Reiter (Österreich). Natürlich auch Werke von meinen Künstlerfreunden aus der Produzentengalerie, von der Vorstandschaft des Berufsverbandes und von Künstlern, die mit mir zusammenarbeiten.

 

Wo lagern Sie die Kunst?

 

Huber: Ich wohne in einem Reihenhaus zur Miete. Das ist voller Kunst. Ich lebe damit. Wenn Sie zu mir kommen, sehen Sie nicht lauter Hubert Hubers, sondern viele Kunstwerke meine

 

 

 

Vermessung im Dreiecksnetz 2012 

Vermessung im Dreiecksnetz

Vernissage von Hubert Huber in der Produzentengalerie

 

Mit Hubert Huber aus Fürstenzell stellt derzeit wieder einmal eines der Gründungsmitglieder selbst in der Produzentengalerie aus, weshalb der Vorsitzende des Bundesverbandes Bildender Künstler Niederbayern und so leidenschaftliche wie unermüdliche Organisator nationaler und internationaler Kunstprojekte in "eigener Sache" begrüßte und einführte.

Groß war auch das Interesse an der Eröffnung seiner Ausstellung "Konzept" am Freitagabend, zu der zahlreiche Gäste erschienen, darunter Bürgermeister Dr. Anton Jungwirth, Thyrnaus Bürgermeister Eduard Moser, Verleger Dietmar Klinger, Rudi Klaffenböck sowie viele weitere Künstlerkollegen und Kunstinteressierte.

In der aktuellen Schau zeigt Huber, der bevorzugt neue Medien verwendet, Werke, in denen der viel und weit Herumgekommene Erlebnisse und Reiseeindrücke verarbeitet. So führte ihn der Weg nach Galizien, wo ihn beim Frühstück die Nachricht über die Atomkatastrophe von Fukushima erreichte. Die Folge war eine Reihe von "Atombildern", quadratische Drucke auf Acrylglas und Inkjet-prints. In Russland erfuhr er von der Endlagerstätte für Brennstäbe in Krasnojarsk. Dies thematisierte er in einem Bild mit dem Symbol für Radioaktivität und aufgehender Sonne als Hintergrund; zukunftsweisend, wie Hubert Huber im Vertrauen auf jüngere Generationen hofft.Huber erzählte auch von seinen Anfängen als Holzbildhauer, einer Ausstellung von Frottagen in Washington, seinem Faible für Indianer und deren Kultur sowie seine Verarbeitung der weitbekannten Weissagung der Cree-Indianer "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann."

Natürlich dominiert in der Ausstellung die für Huber typische Dreiecksform: zweidimensional in Monotypien, aber auch dreidimensional als Tetraeder in Stahl. Ergänzend zeigt die Reproduktion einer Karte mit dem "Hauptdreiecknetz", wie das Königreich Bayern nach der Säkularisation als erstes Land in Europa topographisch exakt mittels Dreiecken vermessen wurde. Dr. Georgine Fisch

 

 

 

Hubert Hubers Multimedia-Kunst mit dem iPhone

8.11.2010 - Fritz Greiler Passauer Woche

 

08.11.2010 Fürstenzell 

Hubert Hubers Multimedia-Kunst mit dem iPhone

 

Hubert Huber aus Fürstenzell ist gelernter Holzbildhauer. Als Künstler ist er auf der Höhe der Zeit: Das iPhone dient als Skizzenblock, seine Kunst-"Movies" präsentiert er auf dem iPod.

 

Für die meisten Menschen ist das iPhone Kommunikations- und Unterhaltungsmedium. Für den gelernten Holzbildhauer Huber Huber aus Fürstenzell ersetzt es den Skizzenblock. Sieht er unterwegs etwas, das ihn inspiriert, macht er einfach ein Foto. Diese Fotos, aber auch Filme, dienen als Vorlage für Hubers Multimedia-Kunst.

 

Oder sie werden gleich eingebaut in Kunst-„Movies“, kleine Filme aus Einzelbildern. Die Musik zu diesen Movies liefert in der Regel der bei Tiefenbach / Landkreis Passau lebende Komponist Elmar Raida.

 

Multimedia-Künstler Hubert Huber

 

Hubert Hubers Kunst entsteht somit digital auf dem Laptop und mit dem iPhone. „Die einzelnen Motive kann ich auf die verschiedensten Materialen drucken – vom Papier, Glas bis Acryl.“

 

So zu begutachten derzeit in der Passauer St.-Anna-Kapelle, wo in der Ausstellung „Intersalon“ auch eine Multimedia-Installation Hubers zu sehen ist. In Passau ist diese Kunstschau noch bis 22. November zu sehen, Öffnungszeiten: Di-So 13-18 Uhr. Bei Intersalon AJV stellen Künstlerinnen und Künstler aus vielen Ländern völlig gleichberechtigt nebeneinander aus. „Bis jetzt nahmen am Intersalon AJV mehr als 600 Künstler aus 25 Ländern teil, was zweifelsohne ein wachsendes Prestige dieser internationalen Veranstaltung unterstreicht“, so Huber.

 

Da Hubert Hubers Kunstwerke schon mal digital gespeichert sind, ist es nur logisch, dass sie auch digital präsenitert werden: auf einem iPod, wo die Movies und Einzelbilder ablaufen. Bei all der multimedialen Umsetzung seiner Kunst – seinem Hauptmotiv ist Hubert Huber treu geblieben: dem Dreieck! Sehen Sie auch das Filmportait von Benjamin Strobel über den Fürstenzeller Multimedia-Künstler Hubert Huber!

 

www.wochenblatt.de/nachrichten/passau/regionales/HuHus-Multimedia-Kunst-mit-dem-iPhone;art1173,19926 

 

 

 

München – Alles Huber?

 

Michael Weiser/Bayernkurier Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 58, Nr. 26, 30. Juni 2007

 

München – Alles Huber? Eine vielseitige Ausstellung mit einem gemeinsamen Nenner eröffnete Erwin Huber im Wirtschaftsministerium. 

 

Der eine packt Aspekte seines Lebens in symbolische Dreiecke, eingebettet in Tannengrün. Der andere verfremdet Logos und entwickelt in seinen Druckgraphiken eine eigene Schrift. Wieder eine andere komponiert ein Gewirr von geometrischen Formen zu einer Stadtlandschaft.

 

So unterschiedlich die Motive und Techniken der Künstler in dieser ungewöhnlichen Ausstellung auch sind – zwei Dinge sind ihnen gemeinsam. Sie stammen aus Ostbayern und Oberösterreich. Und alle heißen Huber: Hubert Huber, Sandra Huber, Markus Anton Huber und Rudolf Huber-Wilkoff. Der Hausherr eröffnet die Schau daher mit sichtlicher Freude. „Huber“, sagte Wirtschaftsminister Erwin Huber verschmitzt, „dieser Name ist ein bayerisches Original.“

 

Man erfährt bei der Ausstellungseröffnung im Wirtschaftsministerium nicht nur einiges über die vielen Aspekte der ostbayerischen Kunstlandschaft, sondern auch vieles über den Namen Huber. In Bayern zweithäufigster Name (nach Müller), rangiert er in Deutschland unter ferner liefen. Was, so Huber, wiederum auf die bäuerliche Tradition Bayerns hinweise, leite sich der Name „Huber“ doch vom Ackermaß der Hufe oder Hube ab. Der Huber war nichts anderes als ein Bauer, der ein Erblehen bewirtschaftete.

 

Bei näherem Hinsehen eröffnen sich noch mehr Gemeinsamkeiten als nur Name und ungefähre Herkunft. Hubert Huber etwa findet sich im Wirtschaftsministerium besonders gut aufgehoben, schließlich ist „ein jeder Künstler auch ein Unternehmer“. Einer, der Aufträge braucht, wie andere Unternehmer auch. „Geht’s der Wirtschaft nicht gut, gibt’s für uns Künstler auch kein Geld“, sinniert der Bartträger aus Fürstenzell. Der Wirtschaftsminister sieht ebenso Gemeinsamkeiten. „Auch ein Politiker muss kreativ sein. Nur zu verwalten, das ist zu wenig. So gesehen ist jeder echte Politiker ein Künstler.“

 

Erwin Huber verbindet Wirtschaft und Kunst ohnehin. Er ist bekennender Freund der Kunst aus Niederbayern. So ist es auch zu der Ausstellung gekommen: Als er im Sommer 2006 eine Ausstellung in Passau eröffnete, lud der Minister die Künstler ein. Das eine oder andere Stück hat er auch selber schon gekauft, „aus Freude an der Heimat und über unsere Künstler“. Seine wichtigste Bedingung für einen Kauf – fast eine Selbstverständlichkeit: „Gefallen muss es mir schon.“ 

 

Michael Weiser/Bayernkurier Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 58, Nr. 26, 30. Juni 2007

 

Alles Huber. Bis 15. Juli im Wirtschaftsministerium. Katalog 15 Euro.